Verbale Attacken und körperliche Angriffe:

Hetze gegen Asylbewerber nimmt an Schärfe zu

Die Stimmungsmache gegen im Land untergebrachte Flüchtlinge wird immer aggressiver. Nun wecken nicht nur Äußerungen des NPD-Abgeordneten Michael Andrejewski böse Erinnerungen, auch eine Meldung aus Anklam sorgt für Aufsehen.

"Lichtenhagen kommt wieder" lautet eine rechtsextreme Schmiererei in Anspielung auf die ausländerfeindlichen Krawalle in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Aufgenommen am Haus des Bürgermeisters von Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), Arne Schuldt (parteilos).
Bernd Wüsteneck Immer wieder wird im Land Stimmung gegen Asylbewerber gemacht – auch mit Anspielung auf die ausländerfeindlichen Krawallen in Rostock-Lichtenhagen.

Es ist das vielleicht dunkelste Kapitel der deutschen Nachwendegeschichte: Über Tage hinweg greift ein Mob von organisierten Rechtsextremen die Unterkünfte für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen an. Unter dem Jubel „unbeteiligter“ Anwohner und unter den Augen der scheinbar untätigen Staatsmacht werfen sie Brandsätze und Steine auf Wohnungen, schaffen ein fremdenfeindliches Fanal. Die Folgen: Entsetzen im Ausland, eine Verschärfung der Asylpolitik im Inland und ein Imageschaden, der im Nordosten bis heute nachwirkt. 

Mit dem seit 2006 für die rechtsextreme NPD im Schweriner Landtag sitzenden Abgeordneten Michael Andrejewski weckt nun ausgerechnet einer der Aufrührer von damals böse Erinnerungen an den August 1992. Andrejewski hatte im Vorfeld des Pogroms für die tausendfache Verteilung eines Flugblatts gesorgt. Unter dem Titel „Widerstand gegen die Ausländerflut“ warnte er davor, Deutsche könnten bald fremd im eigenen Land sein. Das Flugblatt und die darauf festgehaltene Hetze gegen Einwanderer brachte dem aus Baden-Baden stammendem Andrejewski den Ruf ein, der „ideologische Brandstifter“ von Rostock-Lichtenhagen gewesen zu sein.

Zu stören scheint sich der heute 55-Jährige daran offenbar kaum. Darauf lässt ein Video schließen, dass unter dem Namen „NPD-MV“ am vergangenen Montag im Internet veröffentlicht wurde. Darin setzt Andrejewski auf genau jene Strategie, die ihm vor 22 Jahren zu zweifelhafter Prominenz verholfen hatte.

Hinweise auf Angriff auf Asylbewerber in Anklam

So schwadroniert Andrejewski über „Massen von Asylanten, die nach Vorpommern strömen“, um Anklam zur „Asylstadt Nummer 1“ zumachen. De facto leben in Anklam aktuell 156 Asylbewerber, im Kreis Vorpommern Greifswald sind es 818. Weiter warnt Andrejewski vor „Tausenden, die hier in den Landkreis strömen“, verschweigt jedoch, dass der Anteil von Asylbewerbern an der Gesamtbevölkerung des Kreises aktuell bei 0,3 Prozent liegt. Dass wiederum gegen die von Andrejewski beklagte „demographischen Katastrophe“ gerade Zuwanderung von außen helfen könnte, fällt dem NPD-Mann nicht ein.

Mehr Bedrohung als fremdenfeindlich motivierte Propaganda stellen dagegen die Ankündigungen Andrejewskis für den Fall dar, dass in Anklam neue Flüchtlingsunterkünfte errichtet würden. „Wir haben nicht vor, das hinzunehmen“, kündigt er an und stellt „entsprechende Aktionen“ in Aussicht. „Wir haben nicht die Absicht, Internetgespenster zu bleiben“, erklärt Andrejewski. Kundgebungen und Demonstrationen würden folgen, dazu „alles, was uns nur einfällt“. In einem Beitext heißt es zudem: „Der nationale Widerstand läuft bereits an.“

Während das Video im Laufe des vergangenen Montag veröffentlicht wurde, ereignete sich am Abend des selben Tages ein mutmaßlicher Angriff auf drei Asylbewerber in Anklam. Dieser soll am Busbahnhof der Stadt stattgefunden haben. Gegenüber der Polizei gaben die Asylbewerber an, zunächst fremdenfeindlich beleidigt und dann körperlich angegriffen worden zu sein. Dabei sollen die bislang unbekannten Täter auch mit einem Messer gedroht haben. Zudem habe sich einer der Asylbewerber nur durch einen Sprung vor einem herannahenden Auto retten können. Alle drei Asylbewerber mussten ambulant behandelt werden, der Staatsschutz ermittelt.

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