Mehrsprachige Kita in Schwerin:

Hier wachsen die Weltbürger von morgen auf

Mitten in Schwerins größtem Plattenbaugebiet besuchen Kinder die mehrsprachige Kindertagesstätte „Future Kids“. Doch noch setzt keine Grundschule dieses Bildungsangebot fort – ein Problem in ganz MV.

Im Morgenkreises treffen sich alle Kinder und die Erzieherinnen und planen gemeinsam den Tagesablauf.
Jens Büttner Im Morgenkreises treffen sich alle Kinder und die Erzieherinnen und planen gemeinsam den Tagesablauf.

Vivien, Van Nhi und Maxim tupfen leuchtendes „green“ (grün) auf eine große Pappe. Andere Kinder verteilen mit einem Schwamm großflächig „blue“ (blau) und „pink“ (rosa). Das wird die Kulisse für das Theaterstück „Colours on stage“ („Farben auf der Bühne“), wie Erzieherin Mona Gonzales erklärt. Das bunte Farbenspiel gehört zum täglichen Kunstangebot in Schwerins bilingualer Kindertagesstätte „Future Kids“ („Zukunftskinder“). Die im Mai 2011 im Plattenbaugebiet Dreesch eröffnete Einrichtung ist die einzige mehrsprachige Kita in MVs Landeshauptstadt und laut Bildungsministerium nach einem Rostocker Kindergarten erst die zweite mehrsprachige Kita im Land.

Mehrsprachige Bildungsangebote stecken im Nordosten noch tief in den Kinderschuhen. Neben den beiden Kitas, die sich der spielerischen Vermittlung mehrerer Sprachen verschrieben haben, gibt es laut Kultusministerium nur eine Grundschule in Laage bei Rostock mit teilweise bilingualem Unterricht sowie mehrsprachiges Lernen an fünf staatlichen Gymnasien und drei Privatschulen. „Wir sind auf der Welt Exoten mit unserer Einsprachigkeit“, sagt Heike Ihde, Leiterin der Schweriner „Future Kids“.

Mehrsprachige Erziehung steigert die Intelligenz

Dabei sei längst nachgewiesen, dass mehrsprachige Erziehung von klein auf die Intelligenz steigere. Spielerisch lernten die Kinder Englisch, seien aber auch in der deutschen Sprache weiter als Gleichaltrige, sagt Ihde. Im „Sprachbad“ ohne Unterricht würde nicht nur das Sprachzentrum der Jüngsten erweitert, auch die Lernfähigkeit generell werde frühzeitig gefördert. Gerade Kinder aus ärmeren Familien oder Elternhäusern mit Migrationshintergrund würden in ihrem Selbstvertrauen gestärkt, ist die Pädagogin überzeugt.

Bewusst hat Schwerin die bilinguale Bildungsstätte dort gebaut, wo die Einkommen eher niedrig und Bedingungen für Kinder eher schlechter sind. Ein „sozialer Brennpunkt“ sei der Dreesch aber dennoch nicht, nur eben ärmer, meint Ihde. Jeder fünfte der 23 000 Dreesch-Bewohner hat einen Migrationshintergrund. Viele Einwanderer stammen aus Russland, Asien oder Afrika.

Deutsch und Englisch werden parallel genutzt

Der Kultur- und Sprachenmix vom Dreesch spiegelt sich bei den „Future Kids“ wider. Ein Drittel der 178 Kinder kommt aus Migrantenfamilien, die zu Hause ihre Muttersprache pflegen. In der Kita werden Deutsch und Englisch parallel genutzt, jede zweite Erzieherin spricht nur Englisch. „Wir wollen Weltbürger erziehen“, sagt Heike Ihde.

Das mehrsprachige Bildungsangebot für die Kinder komme bei den Eltern gut an und gebe auch ihnen mehr Selbstwertgefühl und Motivation zum Lernen. Bedauerlich sei nur, dass keine staatliche Schule in Schwerin das Konzept der Kita fortführt und bilingualen Unterricht anbietet, kritisiert Anke Preuß, Geschäftsführerin der Kita gGmbH, Träger der Schweriner Kindertagesstätten.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung