Tourismuswirtschaft begrüßt 15-PS-Regelung:

Hobbyskipper drehen gefühlvoll am Gas

Wasser hat keine Balken und Boote habe keine Bremsen. Seit einem Jahr dürfen Freizeitkapitäne ohne Führerschein Boote mit stärkerer Motorleistung bewegen. Die befürchtete Unfallwelle blieb aus, die Tourismusbranche zieht eine positive Bilanz.

Langsam kehrt die Winterruhe bei den Bootsvermietern im Land ein. Mit der neuen Regelung für das führerscheinfreie Fahren sind die meisten zufrieden.
Bernd Wüstneck Langsam kehrt die Winterruhe bei den Bootsvermietern im Land ein. Mit der neuen Regelung für das führerscheinfreie Fahren sind die meisten zufrieden.

Als die Pläne des Bundesverkehrsministeriums bekannt wurden, dass ab Herbst 2012 Sportboote mit bis zu 15 PS starken Motoren auch ohne Führerschein gefahren werden dürfen, waren die ersten Reaktionen heftig. „Über das Wasser peitschende Hobbykäpitäne“  wurden in einschlägigen Internet-Foren befürchtet und „führerscheinlose Nixblicker“. Vorher lag diese Grenze bei fünf PS.

Skipper bringen halbe Milliarde Umsatz

Hintergrund der Neuregelung war in erster Linie, „Landratten“ den Einstieg in den Wassertourismus zu erleichtern. Die wirtschaftliche Bedeutung der Hobbyskipper ist gerade in Mecklenburg-Vorpommern nicht von der Hand zu weisen. Laut Wirtschaftsministerium sind in der Branche 1400 Unternehmen mit rund 7000 Beschäftigten tätig, die zuletzt einen Jahresumsatz von fast einer halben Milliarde Euro gemacht haben.

Ein klares Plus für Touristen und Firmen

Ein Jahr nach der Einführung der 15-PS-Grenze fällt die Bilanz der Tourismuswirtschaft positiv aus. „Wir begrüßen das und die Anbieter auch“, sagt Katrin Hackbarth vom Tourismusverband des Landes. Durch die Neuregelung könnten Wassertouristen Ziele ansteuern, die ihnen bisher verwehrt geblieben sind. Auch ein Anbieter bestätigt, dass sich die Möglichkeiten zur Gestaltung eines motorisierten Ausfluges auf dem Wasser zum Beispiel für Besucher in Waren an der Mecklenburgischen Seenplatte sowie in Neukalen an der Peene in der Mecklenburgischen Schweiz vervielfältigt haben. „Somit hat von der Neureglung jeder etwas. Die Tourismusverbände können ihr Angebot interessanter und umfangreicher gestalten, der Urlaubskapitän ist mit etwas mehr Pfeffer unterm Hintern unterwegs und die Bootsverleiher verzeichnen Umsatzzuwachs“, meint Steffen Schulz von der Marina Eldenburg.

Nicht überall Freude

Allerdings berichtet der Präsident des Deutschen Motoryachtverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Siegfried Ernst Karsten, dass ein ihm bekannter Vermieter am Schweriner See keineswegs eine gesteigerte Nachfrage zu verzeichnen hatte.

Dass mit der 15-PS-Regelung mehr Raser auf dem Wasser unterwegs sind, konnte Karsten nicht beobachten, da auf den meisten Binnengewässern ohnehin Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten. Er gibt aber zu bedenken, dass ein Schlauchboot mit einem 15-PS-Motor ohne weiteres fast 40 Kilometer pro Stunde schnell werden kann. Dass die Zahl der Bootsunfällen durch Hobbyskipper signifikant zugenommen habe, kann die Wasserschutzpolizei „aus dem Bauch heraus“ jedoch nicht bestätigen, auch wenn genaue Statistiken erst zum Jahresende vorlägen.

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