Opfer verblutete:

Hohe Haftstrafe für Wolgaster Obdachlosen nach Totschlag

Ein Obdachloser starb Anfang Oktober in Wolgast gewaltsam durch einen Messerstich. Nun hat das Stralsunder Landgericht gegen seinen Mitbewohner das Urteil gesprochen.

dpa/Genrefoto Das Gericht begründete die zusätzlich verhängte Sicherungsverwahrung mit dem Hang des Täters zum ausgeprägten Alkoholkonsum und seiner diversen schweren Vorstrafen.

Viereinhalb Monate nach dem gewaltsamen Tod eines Obdachlosen hat das Stralsunder Landgericht einen Mitbewohner des Wolgaster Obdachlosenzentrums zu einer hohen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Er sei des Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung schuldig, sagte die Vorsitzende Richterin am Freitag. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 52-Jährige seinem Opfer nach einem Streit ein Messer in den Hals gerammt hatte. Der Mann war verblutet. Zuvor hatte er einen anderen Mitbewohner des Heimes mit einem Knüppel krankenhausreif geschlagen. Der Täter muss zunächst neun Jahre und sechs Monate in Haft, danach soll er in Sicherungsverwahrung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht begründete die Sicherungsverwahrung mit dem Hang des Täters zum ausgeprägten Alkoholkonsum und den diversen schweren Vorstrafen, die er alle unter dem Einfluss von Alkohol begangen hatte, wie ein Sprecher des Gerichtes sagte. Die Kammer blieb mit ihrem Urteil nur wenig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von zehn Jahren Haft und Sicherungsverwahrung.

Wie Zeugen geschildert hatten, war der Mann am Abend des 6. Oktober 2014 in das Zimmer von drei Mitbewohnern gestürmt. Er soll wütend gewesen sein, weil zwei von ihnen angeblich eine Anzeige bei der Polizei erstattet hatten. Zunächst schlug er mit Fäusten auf ein Opfer ein, holte dann einen Knüppel, mit dem er auf den 63-Jährigen einprügelte. Mit den Worten «Ich mach euch platt. Ich hole jetzt einen Hammer oder ein Messer» verließ er das Zimmer und kehrte mit einem Küchenmesser mit 21 Zentimeter langer Klinge zurück. Das Messer rammte er dem 51-jährigen bis zum Heft in den Hals. Dabei durchtrennte er nach Angaben der Rechtsmedizin die Kopfschlagader.

Beim Täter wurde unmittelbar nach der Tat ein Alkoholwert von 1,7 Promille gemessen. Er gab im Gegensatz zu den Zeugen an, den 51-Jährigen getötet zu haben, weil dieser im 30 Euro geschuldet haben soll.

Erst im Dezember 2013 war der Mann nach einem Gewaltdelikt aus der Haft entlassen worden und stand seitdem unter Führungsaufsicht. Zudem hatte er eine Abstinenzweisung, wie ein Bewährungshelfer berichtete. An das Alkoholverbot hatte sich der Angeklagte aber bereits unmittelbar nach der Entlassung nicht gehalten. Weil er im Juli 2014 fahrlässig einen Brand im Obdachlosenheim gelegt haben soll, zerschlugen sich zudem Pläne für einen Umzug in eine eigene Wohnung.

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