Auschwitz-Prozess:

Hubert Z. erscheint wieder nicht vor Gericht

Der zweite Prozesstag endete wie der erste: ohne den Angeklagten. Der war am Morgen noch einmal von einer Ärztin untersucht worden.

Staatsanwalt und Nebenkläger warten auf den Beginn des zweiten Prozesstages.
Frank Wilhelm Staatsanwalt und Nebenkläger warten auf den Beginn des zweiten Prozesstages.

Auch im zweiten Anlauf hat der Prozess gegen einen früheren SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz nicht beginnen können. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit ist Hubert Z. wie schon beim ersten Prozesstag nicht erschienen. Die Kammer hatte daraufhin weitere Untersuchungen angeordnet, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Bereits Ende Februar war der Rentner nach einem Armbruch nicht zum Prozess gekommen. Ein Amtsarzt hatte den 95-Jährigen im Nachhinein untersucht und seine Verhandlungsunfähigkeit festgestellt.

Schon im Vorfeld Streit um Verhandlungsfähigkeit

Dem 95 Jahre alten Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vor. Er soll ab Mitte August 1944 einen Monat im KZ Auschwitz-Birkenau stationiert gewesen sein. In der Zeit kamen dort 14 Deportationszüge an, mindestens 3681 Menschen wurden in Gaskammern umgebracht.

Das Neubrandenburger Verfahren hatte schon im Vorfeld nach Streit um die Verhandlungsfähigkeit des Mannes für Aufsehen gesorgt. Letztlich entschied das Oberlandesgericht, dass der Prozess doch stattfinden soll. Die Schwurgerichtskammer will zu Beginn Gutachter anhören, die den aktuellen Gesundheitszustand des Beschuldigten beschreiben sollen.

Der 95-Jährige war nach dem Krieg für einen Einsatz im KZ Auschwitz von Oktober 1943 bis Januar 1944 von einem Gericht in Polen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Diese Strafe hat er verbüßt. In der DDR lebte er als Landarbeiter nördlich von Neubrandenburg.

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Kommentare (3)

Verhandlungsfähigkeit beschäftigt die Gerichte seit Monaten. 2015 hat die Schwurgerichtskammer eine Eröffnung des Verfahrens wegen seines angeblich schlechten Gesundheitszustandes abgelehnt. Doch das Oberlandesgericht ließ daraufhin ein neues Gutachten anfertigen und ordnete die Verhandlung an. Der Herr ist 95, wenn er sich auf gesundheitliche Gründe beruft kann er den Prozess ewig verzögern, selbst wenn er verurteilt wird, was bringt das denn dann? Ich würde mich daher freuen wenn Zeit, Geld und Energie zur Lösung aktueller Probleme aufgewendet werden würden. Wird er je ein Gefängnis von innen sehen? Ihn zu "läutern" und anschließend in die Gesellschaft zu reintegrieren ist bei dem Alter eh vergebens und eine Gefahr für die Gesellschaft stellt er auch nicht dar. Von daher würde ich tatsächlich sagen: Lasst es gut sein. Ich hab ja mehr den Eindruck, dass die Gerichte jetzt, wo es praktisch zu spät ist ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollen. Befragt ihn von mir aus und nutzt ihn als Zeitzeugen, aber jetzt tausende Euros in einem Prozess verbrennen nur um sich dann als moralischer Sieger zu fühlen? Er wurde bereits am 10.03.1948 im Krakauer Bezirksgericht zu 4 Jahren Haft verurteilt , wegen seiner Tätigkeit im KZ-Auschwitz. http://translate.googleusercontent.com Man hat den Eindruck, dass die juristische Verfolgung von Nazi-Unrecht mit wachsendem Abstand zum 3. Reich immer schärfer wird - vielleicht auch zur späten Ehrenrettung der Justiz. Denn in der Nachkriegszeit war die Justiz bei der Verfolgung und Verurteilung von Naziverbrechen sehr zurückhaltend. Im übrigen wurden auch Richter und Staatsanwälte, die in der Nazizeit an Unrechtsurteilen beteiligt waren, nicht zur Verantwortung gezogen (uralter Film zu dem Thema "Rosen für den Staatsanwalt"). Klaus Seegert: Hagen

An diesem Prozess sieht man mal wieder von wen wir hier regiert werden. Wer unseren Deutschen Staat lenkt und leitet.

Ein Schuss gegen die Justiz, der gleich noch die Regierung treffen soll. Nur weil man drei bis vier Gewalten in einen Topf wirft und umrührt, kommt noch lange kein Staat dabei heraus. Als Gemeindevertreter sollten Sie davon schon einmal gehört haben.