Übergewichtige Kinder:

Im Land der Dicken und Schwergewichte

In Mecklenburg-Vorpommern hat jeder siebte Schulanfänger Übergewicht. Bei den Erwachsenen ist es noch schlimmer. Ärzte und Gesundheitswissenschaftler warnen vor dramatischen Folgen für die Gesellschaft.

In Mecklenburg-Vorpommern hat jeder siebte Schulanfänger Übergewicht.
Armin Weigel In Mecklenburg-Vorpommern hat jeder siebte Schulanfänger Übergewicht.

Die extremen Fälle, die der Kinderarzt Sven Armbrust behandelt, schaffen es aus eigener Kraft nicht mehr auf die Untersuchungsliege. Nach wenigen Treppenstufen sind sie außer Atem, eine Rolle vorwärts gelingt ihnen nicht mehr. Einem Siebenjährigen, der bereits 50 Kilogramm auf die Waage bringt, „fehlt einfach die Kraft dafür“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Neubrandenburg. Die Regel seien solche extremen Behandlungsfälle von Fettleibigkeit (Adipositas) aber noch nicht. Bereits regelmäßig behandelt er dagegen Kinder mit Übergewicht – einer Vorstufe der Adipositas. „Das ist in den vergangenen Jahren mehr geworden“, sagt Armbrust. Alleine im vergangenen Jahr ermittelten die Ärzte zu den Eingangsuntersuchungen bei jedem siebten Schulkind Übergewicht. „Das ist viel“, findet der Neubrandenburger Chefarzt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Übergewicht der erste Schritt zur gefährlichen Fettleibigkeit ist.          

Noch problematischer sieht es bei den Erwachsenen aus. Mehr als jeder zweite Einwohner im Land hat nach Angaben des statistischen Landesamtes einen Body-Mass-Index von mehr als 25 und gilt damit als übergewichtig. Dicke Kinder und zu schwere Erwachsene – „das geht häufig Hand in Hand“, sagt Chefarzt Armbrust.  Wichtige Rituale wie ein gemeinsames Frühstück oder Abendbrot seien häufig nur noch eine Ausnahme. „Die meisten unserer Patienten lassen das Frühstück einfach weg und ernähren sich dann in der Schule von Junk-Food“, erzählt Armbrust. Oder die Kinder haben statt Möhre und Apfel einen Schokoriegel in der Brotdose. „Das Essen ist oft zu energiereich“, stellt Armbrust fest. Mitunter würden die Jungen und Mädchen das Doppelte der notwendigen Kalorienmenge zu sich nehmen. Zur falschen Ernährung komme dann auch noch ein aufkommender Bewegungsmangel.

Aus Sicht von Medizinern und Gesundheitswissenschaftlern wird der Trend nicht folgenlos bleiben. Mit steigendem Übergewicht wächst das Risiko, an Bluthochdruck, Diabetes oder Herzleiden zu erkranken. So geht Chefarzt Armbrust beispielsweise davon aus, dass das durchschnittliche Herzinfarktalter in einigen Jahrzehnten von 50 Jahren auf 40 oder sogar 35 sinken werde. Und die Deutsche Adipositas Gesellschaft rechnet bis 2020 mit einem Anstieg der Gesamtausgaben für Fettleibigkeit von mindestens 26 Milliarden Euro. Armbrust sieht unter anderem die Schulen in der Pflicht. Dort müsse neben mehr Sport auch Ernährungskunde auf dem Stundenplan stehen.             

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