Verwaltungshotline startet:

Im Notfall eine Nummer für alle Behörden

Sie ist wieder da, die 115. Doch wer heute diese Nummer wählt, hat nicht wie zu DDR-Zeiten den Rettungsdienst am Telefon, sondern die Auskunft der Verwaltungen. Allerdings profitieren noch nicht alle von dem Service.

Wer wie der Landrat von Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher, die Bürger-Hotline 115 wählt, ...
Wer wie der Landrat von Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher, die Bürger-Hotline 115 wählt, ...

Wo kann ich Wohngeld beantragen? Wer erstellt mir einen Parkausweis für Schwerbehinderte? Und wann hat eigentlich das zuständige Standesamt geöffnet? – Wer Antworten auf derlei Fragen haben will, muss sich jetzt in einigen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns nicht mehr durch das Behörden-Labyrinth die Finger wund telefonieren.

Seit Montag ist nun auch im Landkreis Vorpommern-Rügen die bundesweit einheitliche Behördenauskunft geschaltet. Mit einem Testanruf hat Landrat Ralf Drescher (CDU) den Service geprobt. Es dauerte knapp 30 Sekunden bis sich ein freundlicher Mann meldete und Dreschers Anfrage über den Bezug eines polizeilichen Führungszeugnisses beantwortete.

Seit dem Start laufen die Telefone heiß

Das neue Service-Center in der ehemaligen Kreisverwaltung von Grimmen ist das landesweit zweite seiner Art. Ende März 2013 war die Partnereinrichtung in Ludwigslust ans Netz gegangen, die zunächst für die Menschen im Landkreis Ludwigslust-Parchim und inzwischen auch für die Schweriner zuständig ist. Die sechs Mitarbeiter in Grimmen können ab sofort von Einwohnern des Landkreises Vorpommern-Rügen, Stralsund, Ribnitz-Damgarten, Bergen auf Rügen und Zingst in Anspruch genommen werden.

Seit Montagmorgen klingelten sich die Telefone heiß, sagt Teamleiterin Julia Schröder. Noch vor dem offiziellen Start hätten vor einer Woche 109 Kunden um Auskunft gebeten. Zu jenen, die die Fragen zu beantworten versucht, gehört Viktoria Krauel. Die 23-Jährige, die zuletzt nur eine befristetet Stelle in einem Sekretariat in Heringsdorf hatte, freut sich nicht nur über den neuen Vollzeitjob. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie nervig es manchmal sein kann, wenn man sich telefonisch um eine Behörden-Auskunft plagt“, sagt sie. Es mache Spaß, den Bürgern unbürokratisch und schnell zu helfen.

In MV gibt’s die 115 sogar als Gebärdentelefon

Mit den beiden Service-Centern sei nun jeder Dritte in Mecklenburg-Vorpommern in das bundesweit einheitliche Netzwerk eingebunden worden, sagt Gerd Czyborra, im Schweriner Innenministerium zuständig für E-Government. Er hoffe, dass die hohe Qualität dieses Auskunftsdienstes in den nächsten Monaten auch alle anderen Kreise und Gemeinden für einen Beitritt überzeugen werde. Für Auskünfte stehe den Mitarbeitern eine gigantische bundesweite Datenbank zu Verfügung, die von etwa 20 000 Behörden von Bund, Ländern und Gemeinden gespeist werde.

Der 2009 gestarteten Bürger-Hotline hätten sich bislang 670 Kommunen und zwölf Länder angeschlossen, konstatiert Ministerialrätin Juliane Rapp-Lücke. Während allerdings die wichtigsten
Großstädte schon lange am Netz seien, klemme es in manchen Flächenländern dagegen noch etwas.

Vorbild aus Frankreich und den USA

In Brandenburg ist bislang nur die Landeshauptstadt im 115-Verbund. Dagegen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern sogar ein 115-Gebärdentelefon, über das speziell ausgebildete Mitarbeiter der Rostocker Firma Telemark auch Gehörlosen oder hörgeschädigten Menschen mittels Videotelefonie und Gebärdensprache Auskunft erteilen.

Die zentrale Servicenummer, die sich an Vorgängermodellen wie dem New Yorker Call-Dienst 311 oder der französischen Hotline 3939 orientierte, soll in den nächsten Jahren in Deutschland noch weiter ausgebaut werden. So sollen künftig auch ganz spezielle Anfragen bedient werden, etwa zu Notdiensten und Pegelständen bei Sturmfluten, zur voraussichtlichen Rentenhöhe oder auch zu Maßnahmen in einer etwaigen Ebola-Epidemie.   

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