Rogida plant Aufmarsch:

Islamgegner wollen auch in Rostock das Abendland retten

Dresden und zahlreiche andere Städte haben sie schon, nun bekommt auch Mecklenburg-Vorpommern seine erste Anti-Islam-Demonstration.

Sie fürchten sich vor der Islamisierung des Abendlands: Anhänger der sogenannten „Rogida“ bei einer Demonstration der Gruppe in Güstrow.
Oliver Cruzcampo Sie fürchten sich vor der Islamisierung des Abendlands: Anhänger der sogenannten „Rogida“ bei einer Demonstration der Gruppe in Güstrow.

Lange war darüber spekuliert worden, nun steht es fest: Mit der Gruppe „Rostock gegen die Islamisierung des Abendlandes“ wird am 12. Januar des kommenden Jahres erstmals ein Ableger der in Dresden gegründeten Pegida-Bewegung in MV demonstrieren. Eine entsprechende Anmeldung bestätigte Ulrich Kunze, Sprecher der Hansestadt Rostock, dem Nordkurier.

Während sich auf der jüngsten Pegida-Demonstration in Dresden 15 000 Menschen versammelten, rechnen die Rogida-Verantwortlichen mit knapp 300 Teilnehmern. Laut Ulrich Kunze führe die angemeldete, von den Versammlungsbehörden jedoch nicht bestätigte Route mitten durch die Rostocker Innenstadt. Startpunkt ist die Südseite des Rostocker Hauptbahnhofs. Auf dem Neuen Markt wollen die Organisatoren schließlich eine Abschlusskundgebung abhalten.

Anmelder war auch auf Demos in Hannover

Über die Hintermänner der seit mehreren Wochen vor allem im Internet aktiven Gruppe Rogida ist bisher wenig bekannt. Laut Informationen des Nordkurier handelt es sich bei dem Anmelder der Demonstration um einen Mann aus Stralsund. Unter seinem Namen im Internet verbreitete Beiträge lassen auf seine Nähe zur rechtsextremen NPD schließen. Auch an der Demonstration der sogenannten „Hooligans gegen Salafisten“ in Hannover hatte er teilgenommen.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nahm die Anmeldung zum Anlass, vor einer Unterwanderung der geplanten Rogida-Demo in Rostock durch Nazis zu warnen. „Ich gehe davon aus, dass in Rostock die rechtsextremistische Szene versuchen wird, die Demonstration als weiteren Teil ihrer Strategie, in die Mitte der Gesellschaft vorzustoßen, zu nutzen“, erklärte Caffier. Und weiter: „Das Schüren von Vorurteilen wegen einer angeblichen Islamisierung Deutschlands und die Herstellung einer Verbindung zur Aufnahme von Flüchtlingen halte ich für unverantwortlich.“

Anteil der Muslime in Rostock bei unter einem Prozent

Kritisch äußerte sich auch der Landtagsabgeordnete Julian Barlen (SPD). Vor dem Hintergrund eines Migrantenanteils von 2,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns warnt er: „Alle Menschen, die an einer sachlichen Debatte und einer solidarischen Gesellschaft interessiert sind, sollten sich nicht von den Drahtziehern dieser Anti-Islam und Anti-Asyl-Bewegung instrumentalisieren lassen.“ Gruppen wie Rogida schürten laut Barlen gezielt Unsicherheit und diffuse Ängste und würden diese letztlich in Fremden- und Islamfeindlichkeit ummünzen. Von einer „Islamisierung der Gesellschaft“ könne in MV nicht die Rede sein. Tatsächlich liegt der Anteil der Muslime in Rostock bei unter einem Prozent.

Barlen verwies auf den Auftritt von Rogida-Anhängern vor zwei Wochen in Güstrow. Damals hatten gut 70 Teilnehmer gegen den Aufzug eines breiten Bündnisses für eine „Willkommenskultur“ in MV demonstriert. Die Bilanz des Tages für Rogida: Sechs eingeleitete Ermittlungsverfahren, davon drei wegen Zeigen des Hitlergrußes.