Selbstanzeigen von Steuerbetrügern:

Ist MV das Land der ehrlichen Steuerzahler?

Vielen Bundesländer vermelden Rekordwerte bei Selbstanzeigen von Steuerbetrügern. Nur im Nordosten ist von diesem Trend nichts zu spüren.

Das Finanzministerium prüft derzeit 29 mögliche Fälle von Steuerhinterziehung.
Armin Weigel Das Finanzministerium prüft derzeit 29 mögliche Fälle von Steuerhinterziehung.

Vor Inkrafttreten der schärferen Regeln für Schwarzgeld im Ausland hat es in MV im Gegensatz zu anderen Bundesländern keine Torschlusspanik gegeben: Im bundesweiten Vergleich wurden für den Nordosten die wenigsten Selbstanzeigen registriert. Es würden derzeit 29 Fälle geprüft, teilte das Finanzministerium dazu mit.

Die Steuernachzahlungen belaufen sich nach Angaben des Ministeriums auf 1,7 Millionen Euro. „Die Anzahl der Fälle stagniert auf niedrigem Niveau“, sagte Ministeriumssprecher Stefan Bruhn. Im Jahr zuvor war eine ähnlich hohe Zahl an Selbstanzeigen eingegangen. 2012 hatten gerade einmal zehn Steuersünder ihr Schwarzgeld im Ausland offengelegt – ein Jahr zuvor niemand. Der Nordosten sei nicht gerade der Hort des Kapitals, erklärte der Ministeriumssprecher.

Andere Bundesländer vermeldeten für 2014 dagegen Rekordwerte – insgesamt beliefen sich die Steuernachzahlungen im abgelaufenen Jahr auf rund 1,3 Milliarden Euro. Rasant gestiegen war die Zahl der Offenlegungen in Brandenburg. Im Nachbarbundesland hatten sich 258 Bürger gemeldet – so viele wie noch nie, wie das Finanzministerium mitteilte. Zwischen 2010 und 2013 waren es insgesamt 218.

Steuerbetrug ist teurer geworden

Von 2010 bis 2014 gab es dadurch rund 10,7 Millionen Euro mehr an Steuermehreinnahmen. Die meisten Steuerbetrüger, über 9000, meldeten sich in Baden-Württemberg. Auf dem zweiten Platz lag Nordrhein-Westfalen – dort gingen 7100 Selbstanzeigen ein. Ministeriumssprecher Bruhn hat dafür eine einfache Erklärung: „Das Privatvermögen ist in diesen Bundesländern größer.“ Zudem sei die Einwohnerzahl höher.

Nach Einschätzung von Experten hatte sich der Rekordwert schon länger abgezeichnet. Für reuige Steuerbetrüger mit Geldanlagen im Ausland ist es seit Januar deutlich teurer geworden, mit einer Selbstanzeige straffrei davonzukommen. Der Betrug bleibt nun bis zu einer hinterzogenen Summe von 25  000 Euro straffrei – bei Werten darüber gilt ein Aufschlag von 10 Prozent. Angesichts der Strafverschärfung wollten viele Steuerbetrüger noch reinen Tisch machen. „Viele brauchen offenbar den Druck, um sich auf den letzten Metern ehrlich zu machen“, kommentierte der hessische Finanzminister den Anstieg bei den Selbstanzeigen.

Im Nordosten hat man eine andere Sicht der Dinge. „Vielleicht sind die Menschen in unserem Land auch einfach ehrlicher“,sagte Bruhn scherzhaft.

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