Schlachtefest im Nationalpark:

Jagdleiter im Visier des Staatsanwalts

Erlaubt war der Abschuss von 160 Tieren im Müritz-­Nationalpark. Die Schützen knallten fast die doppelte Anzahl ab. Hinzu kommen weitere Vorwürfe.

Bei der Drückjagd im Müritz-Nationalpark wurden 2012 doppelt so viele Tiere geschossen, wie erlaubt.
             
Patrick Pleul Bei der Drückjagd im Müritz-Nationalpark wurden 2012 doppelt so viele Tiere geschossen, wie erlaubt.  

­Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen den verantwortlichen Jagdleiter der umstrittenen Drückjagden im Müritz-Nationalpark im vergangenen November eingeleitet. Gegen den Mann seien Strafanzeigen sowohl von Privatpersonen als auch von Institutionen gestellt worden, sagte auf Nachfrage unserer Zeitung der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerd Zeisler. Man ermittle unter anderem wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. „In ein bis zwei Wochen erwarten wir den Eingang der noch ausstehenden Zeugenvernehmungen durch die Kriminalpolizei“, so der Oberstaatsanwalt.

Der Jagddezernent im Nationalparkamt war zuvor schon vom Agrar- und Umweltministerium in die Landesforstanstalt in Malchow versetzt worden. Zudem läuft gegen ihn ein Disziplinarverfahren, sagte Minister Till Backhaus (SPD). Die Stelle sei neu ausgeschrieben worden – mittlerweile gäbe es 130 Bewerbungen.

Laut Backhaus waren „für die Erreichung einer höchstmöglichen Jagdstrecke“ Rechts- und Dienstvorschriften nicht beachtet worden und bei der Jagdausübung „die Ethik gegenüber dem Wild offenbar auf der Strecke geblieben“. Unter anderem sei der Abschussplan bei Damwild deutlich überschritten worden – 160 Abschüsse waren erlaubt, am Ende mussten 294 Tiere sterben. Festgestellt hatte man darüber hinaus Probleme bei der Nachsuche nach angeschossenen Tieren, den Einsatz nicht leistungsgeprüfter Jagdhunde, Verstöße gegen die Wildbretbehandlung und massive Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften. Das Ministerium zog nach umfangreicher Prüfung in der vergangenen Woche Konsequenzen und verbot Massen-Drückjagden mit bis zu 160 Schützen. Die Zahl wurde auf etwa 45 pro Drückjagd reduziert.

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