Nazi-Veranstaltungen nehmen drastisch zu:

Jeden zweiten Tag eine rechtsextreme Aktion

Die Zahl neonazistischer Veranstaltungen steigt drastisch. Dazu versuchen neue Vereinigungen im Land Fuß zu fassen. Innenminister Caffier übt vor allem Kritik am Engagement der demokratischen Parteien.

Auch Hakenkreuz-Schmierereien zählten zu den mehr als 180 Aktionen, die in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahre Rechtsextremen zugeordent wurden.
Bernd Wüstneck Auch Hakenkreuz-Schmierereien zählten zu den mehr als 180 Aktionen, die in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahre Rechtsextremen zugeordent wurden.

Ob das Aufstellen von Holzkreuzen mit den Namen von SS-Mitgliedern in Grevesmühlen, ob ein Szene-Camping beim Bergringrennen oder Störaktionen auf der Hanse-Sail: Durchschnittlich jeden zweiten Tag haben Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern eine rechtsextreme Aktion beobachtet. 185 Veranstaltungen listet das Innenministerium in Antworten auf Kleine Anfragen der Linksfraktion auf.

Nach Recherchen des Nordkurier nahm die Zahl der Vorfälle drastisch zu – 2012 registrierten Polizei und Verfassungsschutz noch 150 Veranstaltungen. Als sei das nicht alarmierend genug, wurden auch noch mehr rechtsextreme Konzerte gezählt: 18 Mal grölten Bands und sogenannte Liedermacher ihr „Liedgut“ in die aufgeheizte Menge. Einschlägig bekannte Konzertorte waren wieder Viereck bei Pasewalk, Salchow bei Anklam und Rossow bei Löcknitz. Im Herbst untersagte die Polizei zwei Konzerte in Viereck. Experten gehen von einer engen Verflechtung der freien Szene und der NPD aus.

"Nur Werbeflyer alle paar Jahre reicht nicht"

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) warnt davor, den Extremen Raum zu überlassen. Die demokratischen Parteien müssten eine Kümmerkompetenz entwickeln und pflegen: „Es kann nicht sein, dass die NPD beispielsweise Hartz-IV-Sprechstunden und Jugendcamps anbietet. Und die demokratischen Parteien werfen nur alle paar Jahre zu den Wahlen die Werbeflyer in die Briefkästen.“

Im zweiten Halbjahr 2013 gerieten unterdessen auch sieben im Nordosten agierende neonazistische Vereinigungen neu ins Visier der Fahnder. Darunter sind beispielsweise die „Nationale Gemeinschaft Stavenhagen und Umgebung“, der „Widerstand Mecklenburgische Schweiz“, die „Brigade 8 Mecklenburg-Vorpommern“ (die 8 steht in der Szene für den achten Buchstaben des Alphabets H wie Hitler – Anm. d. Red.), und das „Hamburger Nationalkollektiv und Weiße Wölfe Terrorcrew“. Der einst in Neustrelitz herausgegebene „Weisse Wolf“ war ein rechtes Hetzpamphlet, in dem lange vor der Enttarnung der Name der Nazi-Terrorgruppe NSU auftauchte.

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