Ganoven auf dem Vormarsch:

Jeder zweite Einbrecher steigt am helllichten Tag ins Haus ein

Offene Fenster, schlecht gesicherte Türen – das nutzen Einbrecher gnadenlos aus. Kriminalisten registrieren seit Jahren einen Anstieg der Einbruchszahlen. Der Schaden geht in die Millionen.

Einbrecher kommen in der Nacht? Weit gefehlt! Die meisten steigen dann ins Haus oder die Wohnung ein, wenn es noch hell ist.
dpa-Archiv Einbrecher kommen in der Nacht? Weit gefehlt! Die meisten steigen dann ins Haus oder die Wohnung ein, wenn es noch hell ist.

Die Einbrecher schlugen zu, als die Familie verreist war: Sie brachen die Haustür auf, durchwühlten alle Wohnräume und klauten Bargeld, Silberbesteck, Geschirr, einen Laptop sowie eine Kamera. Der Fall aus den zurückliegenden Tagen in Gegensee bei Ueckermünde ist typisch für die Vorgehensweise von professionellen Einbrechern. „Sie agieren bevorzugt, wenn die Bewohner verreist oder tagsüber zur Arbeit sind“, sagt die Sprecherin des Landeskriminalamtes, Synke Kern.

Nach jahrelangem Rückgang steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche im Land wieder an: Im Jahr 2009 registrierte die Polizei rund 1260 Wohnungseinbrüche, 2011 waren es 1334 Fälle und 2012 gab es 1413 Einbrüche. Für dieses Jahr werde eine weitere Zunahme erwartet, sagt die LKA-Sprecherin. Gerade in der dunklen Jahreszeit gehe die Zahl der Wohnungseinbrüche nach oben.

Tresor aus der Verankerung gerissen

Ein Großteil der Einbrüche im Land wird nach Ansicht der Kriminalisten von organisierten Banden verübt. „Die spähen ihre Objekte gezielt aus und gehen professionell vor“, erklärt Kern. Bei einem Einbruch in Boizenburg demontierten die Täter unter anderem einen Tresor aus der Verankerung.

Und die Kriminellen sind keineswegs nur nachts aktiv. Mittlerweile wird nahezu jeder zweite Einbruch tagsüber verübt. „Einbrecher nutzen günstige Gelegenheiten wie schlecht gesicherte Türen und Fenster rigoros aus“, warnt LKA-Sprecherin Kern. Auf rund drei Millionen Euro schätzt die Polizei den im vergangenen Jahr verursachten Schaden. Am häufigsten wurden Wohnungen in Schwerin ausgeraubt – 153 Mal brachen Kriminelle in der Landeshauptstadt in Wohnungen ein. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald zählte die Polizei 100 Fälle, in der Mecklenburgischen Seenplatte waren es 87 Einbrüche.      

MV ist noch ziemlich sicher

In Mecklenburg-Vorpommern wohnt es sich dennoch verhältnismäßig sicher.  Nach einer Untersuchung des Internetportals preisvergleich.de ist im Nordosten jede 523. Wohnung von einem Einbruch betroffen – in der Einbrecherhochburg Bremen ist es dagegen jede 93. Wohnung. Auch bei der Aufklärungsquote schneidet der Nordosten besser ab als andere Bundesländer. Während die Berliner Polizei 2012  lediglich jeden 15. Einbruch aufklären konnte, waren die Beamten in MV bei jedem dritten Fall erfolgreich. In Neubrandenburg lag die Aufklärungsquote 2012 sogar bei über 40 Prozent. Dort waren der Polizei gleich mehrere Banden ins Netz gegangen, die für eine ganze Reihe von Einbrüchen verantwortlich waren.

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