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Jobabbau in der Forschungsanstalt

Der Vorsitzende des Agrarausschusses im Landtag befürchtet, dass es in wichtigen Bereichen keine sachkundige wissen­schaftliche Beratung für die Landwirte mehr gibt.

Nur noch ein Wissenschaftler beschäftigt sich mit der Schweinezucht im Land.
             
Jens Büttner Nur noch ein Wissenschaftler beschäftigt sich mit der Schweinezucht im Land.  

Sorge um den Verbraucherschutz im Nordosten: In der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) sind mittlerweile die Personalstellen um die Hälfte von einst 140 auf aktuell 68 zusammengedampft worden. „Die Unsicherheit für den Verbraucher wird so größer – beispielsweise, wenn es um die Haltungsbedingungen für die Tiere geht“, kritisiert der Linken-Abgeordnete im Landtag und Vorsitzende des Agrarausschusses, Fritz Tack.

Für die Praxis in der Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns bedeute das auch, dass es in einigen Bereichen keine sachkundige wissenschaftliche Beratung mehr gebe. Tack nennt als Beispiele die Schweine- und die Geflügelproduktion, die die LFA nicht mehr abdecke. Die Landesforschungsanstalt ist eigenen Angaben nach unter anderem mit an der Praxis orientierter Forschung dafür zuständig, „am Agrarstandort MV die Landwirtschaft und Fischerei wirtschaftlich, wettbewerbsfähig und umweltverträglich zu gestalten.“

Geflügelthemen nur im Internet

Das Agrarministerium bestätigte die von Tack genannten Zahlen. Dies war und sei dem generellen Stellenabbau in der Landesverwaltung zur Haushaltskonsolidierung geschuldet, so Ministeriumssprecherin Birgit Hamm. Als Grundlage für die Personaleinsparungen im Jahr 2007 sei beschlossen worden, Aufgaben auszugliedern, deren Ergebnisse auch extern ermittelt werden könnten. Vorgesehen sei aber, für den Bereich der Schweineproduktion Fachkompetenz vorzuhalten, was zurzeit durch einen Wissenschaftler erfolge. „Konkret heißt das: Im Geflügelbereich gibt es keine Kapazitäten auf Landesanstaltsebene.“ Stattdessen sei die Internet-Plattform WING zu Einsichtnahme, Infoaustausch, Wissenstransfer und Ergebnisvorstellung auf allen Gebieten der Geflügelproduktion eingerichtet worden.

Kooperation über Landesgrenzen

Der verbleibende Wissenschaftler, der sich um die Schweineproduktion kümmere, begleite kleinere Vorhaben. Eine enge Abstimmung gäbe es zudem mit dem Schweine-Kontroll- und Beratungsring der beiden Bundesländer MV und Schleswig-Holstein, entgegnete die Ministeriumssprecherin. Tack fordert entweder eine angewandte Forschung in Mecklenburg-Vorpommern selbst oder mehr Kooperation zwischen den Bundesländern. Dazu gäbe es sogar einen Vertrag zwischen Brandenburg, Sachsen-Anhalt und MV für den Bereich Schwein, sagt Hamm. Schließlich sei MV noch in ein deutschlandweites von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung finanziertes Projekt zur Ebermast einbezogen.

Fazit des Ministeriums: „Es ist nicht zutreffend, dass die Landwirtschaft auf wissenschaftliche Beratung verzichten müsse. Die landwirtschaftlichen Beratungsunternehmen und die Landwirte können auf die aktuellen Forschungsergebnisse zurückgreifen.“ Im Rahmen des personell und technisch Machbaren seien die Forderungen von Tack nach angewandter Forschung und Kooperation bei der Forschung gerade bei der Landesforschungsanstalt umgesetzt, betont die Sprecherin.