Lebenspark Alt Rehse:

Juristisches Ende eines Lebenstraums

Alles sollte gut werden und in harmonischem Miteinander im Lebenspark zu Alt Rehse. Doch das Konzept ist grandios gescheitert, ausgerechnet am Geld. Denn eigentlich hatten die Betreiber dem Finanzsystem den Kampf angesagt.

Es sollte der Eingang zu einem alternativen, schöneren Leben werden, aber zwei Brüder legten eine Bruchlandung hin. Foto: Winfried Wagner
Winfried Wagner Es sollte der Eingang zu einem alternativen, schöneren Leben werden, aber zwei Brüder legten eine Bruchlandung hin. Foto: Winfried Wagner

Die Richterin Tanja Krüske hat da eine Frage: „Für eine Durchschnitts-Spießerin wie mich ist das schwer vorstellbar. Erklären Sie mir das“, wendet sich die Dame an den älteren der beiden angeklagten Brüder. Der hatte gerade erzählt, jetzt von Luft und Liebe zu leben, praktisch ohne Geld. Fast jedenfalls. Denn dann muss er doch gestehen, seine betagte Mutter und seine Freundin helfen aus, wenn der Kühlschrank wieder leer ist.

Das liebe Geld. Genau deshalb sitzen die zwei Brüder, die vor knapp zehn Jahren den Lebenspark in Alt Rehse gründeten, um sich hier mit Gleichgesinnten den Traum vom alternativen Leben zu erfüllen, am Mittwoch im Neubrandenburger Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jüngeren Bruder, einst Geschäftsführer hier, Insolvenzverschleppung und dem anderen Urkundenfälschung und Kreditbetrug vor. Knapp war das Geld schon immer im Lebenspark. Denn von den zwei Millionen Euro, die das 64 Hektar große Grundstück der ehemaligen Reichsärzteschulung im Jahr 2006 kostete, blieben die Brüder dem Verkäufer Gerd Preising aus Bayern das allermeiste schuldig.

Viele kehrten dem Park den Rücken zu

Im Februar erst konnte der Immobilienhändler das Grundstück räumen lassen, nachdem das Gericht im vergangenen Herbst entschieden hat, das Projekt „Lebenspark“ müsse das Grundstück dem Eigentümer zurückgeben. Und auch die Bank drängte immer hartnäckiger auf die Bezahlung der Kreditraten. Geld war aber keines da. „Sie haben das gewusst“, wirft der Staatsanwalt dem die Geschäfte führenden Bruder vor. Der hätte längst die Insolvenz beantragen müssen. Statt seiner tat das dann das Finanzamt wegen ausbleibender Steuern.

Der ältere der Brüder fand dann im Jahr 2010, als man einen 48 000-Euro-Kredit dringend benötigte, einen Dreh, an das Geld zu kommen. Der Mann gibt zu, sechs Schreiben guter Bekannter gefälscht zu haben, die sich der Bank, ohne davon zu wissen, als Bürgen andienten.
Ein großer Teil der Bewohner, die sich hier ihren Traum vom autarken Leben erfüllen wollten, hatten da schon längst dem Park in Alt Rehse den Rücken gekehrt. Auch weil sie tief enttäuscht waren von jenen, die das Projekt ins Leben gerufen hatten. Zwischenzeitlich gingen bei der Staatsanwaltschaft sogar Anzeigen ehemaliger Bewohner ein, die dem Projekt Darlehen gewährt hatten, welches verschwunden sein sollte.

Das Gericht verurteilte den Bruder mit der Insolvenz-verschleppung, der jetzt von Sozialhilfe lebt, zu einer Geldstrafe in Höhe von 1170 Euro, den anderen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung. „Sie haben Wasser gepredigt und Wein getrunken“, sagt Richterin Tanja Krüske. Man könne eben nicht, wie die kapitalismuskritischen Brüder, den Banken immer wieder professionellen Betrug vorwerfen, gleichzeitig aber selbst mit falschen Karten spielen.

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