Gläubige bleiben gelassen:

Katholiken im Nordosten trotzen dem Trend

Immer mehr Katholiken wenden sich von ihrer Kirche ab. Auch wegen der Affäre um den Limburger Bischof. Im Nordosten zeigt der „Tebartz-Effekt“ aber offenbar keine Auswirkungen. Ganz im Gegenteil.

Tendenziell nimmt die Zahl der katholischen Gläubigen in Vorpommern und Brandenburg zu.
Ingo Wagner Tendenziell nimmt die Zahl der katholischen Gläubigen in Vorpommern und Brandenburg zu.

Die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands im Nordosten nicht dafür gesorgt, dass sich Katholiken von ihrer Kirche abwenden. Während sich zum Beispiel in Köln die Zahl der Austritte von September bis Oktober verdoppelt hat, bleiben die Gläubigen in der Region gelassen.

Wie der Neubrandenburger Pfarrer Johannes Zehe berichtet, werde das Thema in der Gemeinde, die 3000 Gläubige umfasst, zwar wahrgenommen, für verstärkte Austritte habe es jedoch nicht gesorgt. Allerdings hätten die Medienberichte Anstoß gegeben, darüber nachzudenken, wie eigentlich mit Geld, aber auch mit Menschen, umgegangen wird. Hansjörg Blattner, Kaplan in Hoppenwalde, einer katholischen Enklave im Landkreis Vorpommern-Greifswald, wird noch deutlicher. Er könne nicht verstehen, warum um den Limburger Bischof so ein mediales „Gedöns“ gemacht wird, während am Flughafen BER fast schon selbstverständlich „monatlich 35 Millionen Euro im märkischen Sand versickern“ würden. Auch bei ihm sei die Zahl der Gottesdienstbesucher in den vergangenen Wochen konstant geblieben. Wenn die Zahl der Katholiken in der Region zurückgeht, dann liege das vor allem daran, dass die Alten sterben und die Jungen wegen Studium und Ausbildung weggehen, so der Kaplan.

Anstieg in Vorpommern und Brandenburg ist erstaunlich

Tendenziell nimmt die Zahl der Katholiken in Vorpommern und Brandenburg, zugehörig zum Erzbistum Berlin, und Mecklenburg (Erzbistum Hamburg) sogar zu, wie den aktuellen Statistiken zu entnehmen ist. In Brandenburg (ohne Niederlausitz) ist ihre Zahl im vergangenen Jahr von 60 393 auf 61 381 angestiegen, in Vorpommern von 13 380 auf 13 669 und im gesamten Erzbistum Hamburg von 393 090 auf 397 331. Bundesweit dagegen sank die Zahl der Mitglieder in der katholischen Kirche innerhalb des vergangenen Jahres um rund 130 000. Der Gegentrend im Nordosten kam allerdings auch für die Kirche überraschend. Dass viele Menschen aus katholischen Gegenden nach Berlin ziehen, sei als Ursache zwar bekannt gewesen, sagt der Pressesprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner. Der leichte Anstieg in Vorpommern und Brandenburg sei jedoch erstaunlich und offensichtlich auch auf den Zuzug von Polen zurückzuführen, vermutet er.

Zur Affäre Tebartz erklärt der Pressesprecher: „Wer sich als katholisch versteht, wird seine Kirchenzugehörigkeit nicht von ,Limburg‘ oder ,Tebartz‘ abhängig machen. Er weiß, dass die Kirche auch eine Kirche der Sünder ist, dass Fehler und falsches Verhalten auch zur Kirche dazu gehören.“

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