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Keltern, mosten, verkosten

Der gute Mosel-Wein, edle Tropfen aus Rheinhessen oder auch Baden Baden sind längst bekannt, wenn man über deutsche Weine spricht. Doch auch in Mecklenburg-Vorpommern und der Uckermark sind jetzt die Trauben reif.

Einen fantastischen Blick aufs Wasser hat Norbert Fleege, wenn er auf seinem Weinberg steht.  
Anne-Marie Maaß Einen fantastischen Blick aufs Wasser hat Norbert Fleege, wenn er auf seinem Weinberg steht.  

Sandstrand, Wasser, frische Fischbrötchen und ein Weinberg? Zugegeben, auf Weinanbau würden wohl die Wenigsten kommen, wenn sie die Urlaubsinsel beschreiben sollen. Doch hier am Achterwasser bewirbt Besitzer Peter Noack stolz „den nördlichsten Weinberg Deutschlands“. 99 Weinreben wachsen in Loddin. Seit 1999 baut der Gastwirt hinter seinem Fischrestaurant Trauben an. Mit Erfolg: „Die vielen Sonnenstunden und der Wind, der den Regen sofort wieder trocknet, lassen den Wein gut wachsen“, sagt der 61-Jährige. 180 Flaschen waren bisher die größte Ausbeute, die sein Weinberg in einer Lese brachte. In diesem Jahr rechnet Peter Noack jedoch nicht mit üppiger Traubenlese: „Die Krähen waren schneller als wir.“

Wie viele Flaschen dennoch voll werden, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn in Loddin die Ernte beginnt. Ein bisschen genascht wurde schon: Da waren die Kita-Kinder aus Loddin zu Gast, zum Traubenpflücken, Mittagessen und Marmelade kochen. Die Vorschüler sind öfter bei Peter Noack zu Besuch. „Wir haben eine Abmachung: Die Kinder helfen den Weinberg sauber zu machen und im Gegenzug Saft bekommen sie 500 Liter Apfelsaft“, erklärt Noack. Schließlich soll der Weinberg auf Usedom noch viele Jahre bestehen, da müsse der Nachwuchs langsam an den Weinanbau herangeführt werden. Am Dienstag wurden schon mal gemeinsam die ersten Trauben an der kleinen Sitzecke vor dem Haus geerntet. Während die Noacks bei der Weinlese aufs Achterwasser blicken, kann Norbert Fleege seinen Blick über die Feldberger Seenlandschaft schweifen lassen.

Er rechnete nicht mit den Staren

Seit sechs Jahren baut er direkt am Dreetzsee Wein an. Dabei experimentiert er neben seinen Hauptsorten Regent und Phoenix gern auch mit einzelnen Pflanzen herum. Mehr oder weniger erfolgreich, für einige Rebsorten scheint es in diesem Breitengraden dann doch einfach zu kalt zu sein, bilanziert der Carwitzer.

Doch auch unter der Erde und am Himmel lauern für den eigenen Tropfen Gefahren. Das musste Norbert Fleege, der selbst keinen Alkohol trinkt, bereits lernen. Nachdem Wühlmäuse sich über seine Pflanzen hermachten, hoffte er im vergangenen Jahr dennoch auf eine gute Ernte. Dabei hatte er jedoch nicht mit den Staren gerechnet. Drei Tage nachdem er im Nordkurier verkündet hatte, wie gut seine Reben tragen würden, fielen die Vögel in Schwärmen über seine Trauben her. Dieses Jahr hat er vorgesorgt: Netze sollen die Stare fernhalten. „Man lernt eben dazu“, sagt der Hobbywinzer.

Dem Weinanbau treu geblieben

Viel gelernt hat auch Henry Ebert in den vergangenen Jahren. Er kümmert sich um den Weinanbau auf Schloss Rattey. Als Hausmeister hatte er mit Wein zunächst wenig Erfahrung, als man hier 1999 mit 500 Reben startete. Vielleicht auch deshalb unterschätzte er damals noch den Arbeitsaufwand, wie er heute sagt. Doch Henry Ebert hat sich belesen und viel dazugelernt. Noch immer ist er der Winzer auf Schloss Rattey. Beim Weinanbau wird er zudem von einem Kellermeister fachmännisch beraten.

Mittlerweile wachsen 20 000 Reben auf fünf Hektar Land in Rattey. Über 10 000 Liter Wein kann die Ausbeute hier in einem guten Jahr betragen. Damit ist Rattey in der Region der größte Weinproduzent – und das Landweingebiet „Stargarder Land“ eine der nördlichsten Weinbauregionen Deutschlands.