Tarifrunde für Erzieher:

Kita-Streiks berühren Nordosten kaum

Für die Erzieher in kommunalen Kitas wird derzeit bundesweit über höhere Löhne verhandelt. Kleine Ausläufer des Tarifstreits erreichen heute auch die Region.

In MV werden nur wenige Kindergärten bestreikt.
Uwe Zucchi In MV werden nur wenige Kindergärten bestreikt.

In Mecklenburg-Vorpommern müssen nur wenige Eltern befürchten, wegen der laufenden Streikwelle morgens mit ihren Kindern vor verschlossenen Kita-Türen zu stehen. „Es gibt im Nordosten eben nur noch wenige kommunale Kitas, für die der Tarifvertrag gilt“, bedauert Bernd Gembus, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Neubrandenburg/Greifswald. Trotzdem werde die Gewerkschaft heute ein Zeichen setzen: In Greifswald und Schwerin sollen Kitas, die von kommunalen Gesellschaften verwaltet werden, stundenweise bestreikt werden.

Verdi geht dabei offenbar einen anderen Weg als die Spartengewerkschaften bei Deutscher Bahn oder Lufthansa, die ihre Arbeitskampfaktionen stets kurzfristig angekündigt haben. „Wir haben die betroffenen Eltern in Greifswald schon vor einer Woche informiert, dass die betroffenen Kitas heute früh drei Stunden geschlossen bleiben werden“, erklärt Gembus. Mit der bundesweiten Streikwelle wolle Verdi eine bessere Bezahlung der Erzieher durchsetzen. Dabei gehe es um mehr Anerkennung und eine Aufwertung für den Beruf, dessen pädagogische Anforderungen in den vergangenen Jahren stark gewachsen seien.

Hoffnung, dass der Lohn in der Branche steigt

Kommunale Kitas existieren in Mecklenburg-Vorpommern meist nur noch in kleineren Städten und Gemeinden – wie zum Beispiel in Altentreptow oder in Klink an der Müritz. „Solche Einrichtungen werden heute nicht bestreikt“, versichert Gembus. Nach der nächsten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern am 9. April würden die Karten aber neu gemischt. „Wenn die Erzieher nicht ordentlich bezahlt werden, wird am falschen Ende gespart“, stellt er klar.

Der Verdi-Bundesverband hat das geforderte Lohnplus für Erzieher auf rund zehn Prozent beziffert. Vor sechs Jahren – damals wurde über die bis heute geltenden Erziehertarife gestritten – war zwölf Wochen lang gestreikt worden. Angesichts der weitgehend privatisierten Kita-Landschaft im Nordosten kommen aber nur wenige Erzieher in den Genuss eines Abschlusses. „Die meisten sind von den Tariferhöhungen abgekoppelt“, weiß Gembus. Nach seinen Schätzungen verdienen Erzieher in den Kitas, die sich in der Trägerschaft von Unternehmen, Vereinen oder Einzelunternehmern befinden, zehn bis 30 Prozent weniger als die Beschäftigten in den kommunalen Kitas.

Mit einem neuen Tarifabschluss verknüpfe Verdi aber die Hoffnung, dass das Lohnniveau in der Branche insgesamt steigt. „Angesichts des Fachkräftemangels kann sich eigentlich niemand mehr leisten, seine Leute schlecht zu bezahlen“, erklärt der Gewerkschafter. 

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