Gesundheitsreport 2014:

Krank, kränker, Region Uecker-Randow

Die Diagnose fällt für MV nicht rosig aus: Die Menschen sind hier überdurchschnittlich häufig und lange krankgeschrieben. Aber im Nordosten selbst gibt es auch große Unterschiede.

Manchmal wird einem eben alles zu viel.
Dpa Manchmal wird einem eben alles zu viel.

Macht die Uecker-Randow-Region krank? Zumindest wird dort besonders häufig und lange krankgeschrieben: Der Altkreis weicht mit 38 Prozent vom Bundesdurchschnitt bei den Fehlzeiten ab und liegt damit an der Spitze in MV. In Neubrandenburg liegt die Abweichung bei nur rund acht Prozent – der niedrigste Wert. „Es fällt schwer, Gründe dafür zu nennen“, sagte bei der Vorstellung des Barmer GEK Gesundheitsreportes 2014 am Dienstag Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach.

Wie Uecker-Randow, so das Land: Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind laut Report überdurchschnittlich häufig krankgeschrieben. Demnach kamen im vergangenen Jahr auf 100 Versicherte 144 Krankmeldungen – mehr gab es nur in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Hinzu kommt, dass die Arbeitsunfähigkeiten besonders lange dauern – durchschnittlich 20,47 Tage blieben die Beschäftigten bei einer Erkrankung zu Hause. Auf Bundesebene waren es 17,21.

Fast jeder Dritte ist betroffen

Am längsten seien Arbeitnehmer mit Rückenbeschwerden krankgeschrieben. Mögliche Erklärung: „Vielleicht muss man hierzulande noch stärker körperlich arbeiten“, so Kutzbach. Die meisten Krankmeldungen indes gehen auf eine Erkrankung der Atemwege zurück.

Schwerpunktthema des aktuellen Reports ist die psychische Gesundheit im Erwerbsleben. Auch da kein erfreuliches Bild: Bei fast jedem dritten Erwerbstätigen in MV wird innerhalb eines Jahres mindestens einmal eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Zur Arbeitsunfähigkeit führt das nur bei rund sieben Prozent der Betroffenen, dafür dauert diese mit durchschnittlich 42 Tagen so lange wie bei keiner anderen Erkrankung.

Am häufigsten wird eine Depression diagnostiziert

„Frauen tauchen in den Statistiken deutlich häufiger im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen auf als Männer“, erläutert Henning Kutzbach. Auf 100 versicherte erwerbstätige Frauen kommen demnach 9,1 Arbeitsunfähigkeitsfälle und 442 Arbeitsunfähigkeitstage, während es bei Männern nur 5,5 Fälle und 275 Tage seien. Dies dürfte aber darauf zurückzuführen sein, so Kutzbach, dass Frauen früher Hilfe suchen. „Bei Männern werden zudem die Symptome oft verkannt und sie gehen meist erst zum Arzt, wenn es brennt.“

Die Linke im Landtag erneuerte ihre Forderung nach einer Anti-Stress-Verordnung. Die Verdichtung von Arbeitsprozessen mache auf Dauer krank, sagte der Abgeordnete Henning Foerster. Die Zahlen belegten, dass Beschäftigte einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt seien und es einen dringenden Handlungsbedarf für die Politik gebe.

Mit 8,85 Prozent wird in Mecklenburg-Vorpommern unter den psychischen Erkrankungen am häufigsten die Diagnose „Depression“ gestellt. „In der Bevölkerung ist eine zunehmende Sensibilität für psychische und psychosomatische Störungen feststellbar“, sagt Dr. Christoph Jonas Tolzin, der das Kompetenz-Centrum für Psychiatrie und Psychotherapie des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung leitet. „Bestimmte psychische Krankheitsbilder treten heute deutlich vermehrt auf, manche sind auch vollkommen neu“, so Tolzin weiter.

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