Mittel gegen den Warenklau:

Ladendiebe verursachen Millardenschäden

In ihre Taschen wandern ­Pralinen, Rasierklingen und Schrauben. Ladendiebe sorgen für hohe Schäden. Um ihnen das Handwerk zu legen, muss nicht immer teure ­Überwachungstechnik installiert werden.

Ladendiebe sind weiterhin ein großes Problem für Geschäftsbesitzer. Ladendiebstahl ist längst kein Delikt mehr beschränkt auf Jugendliche, klamme Rentner oder gelangweilte Hausfrauen.
Jan-Philipp Strobel Ladendiebe sind weiterhin ein großes Problem für Geschäftsbesitzer. Ladendiebstahl ist längst kein Delikt mehr beschränkt auf Jugendliche, klamme Rentner oder gelangweilte Hausfrauen.

Bei dem Mann im Rollstuhl hatte der Ladendetektiv eines Baumarkts den richtigen Riecher: Er beobachtete wie dessen Frau Kleinteile aus dem Regal nahm und in das Gefährt legte. An der Kasse bezahlte die Dame jedoch nur einen Teil davon. Beim Hinausgehen stellte der Warendetektiv das Diebesduo. Rund 7400 Ladendiebstähle hat die Polizei im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern registriert. „In der Regel sind es Einzeltäter. Und sie kommen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen“, weiß der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord, Tino Beig. 

Die Langfinger greifen sich vor allem „kleinere Dinge, die in den Taschen gut zu verstecken sind“, sagt Beig. Im Supermarkt wandern Pralinen und die Flasche Apfelkorn für knapp drei Euro unter die Jacke. In Baumärkten sind Schrauben eine beliebte Beute. In Drogerien stecken sich die Langfinger gerne Lippenstifte und Cremes ein. Auch auf Rasierklingen haben sie es abgesehen. Nicht immer für den eigenen Bedarf vermutet Beig. „Ich glaube, dass einige Täter mit dem Diebesgut auch Tauschgeschäfte machen oder es weiterkaufen.“ 

Der Wert des Diebesgutes beträgt im Einzelfall meistens weniger als 50 Euro. Doch das läppert sich: Der von Dieben verursachte Gesamtschaden für die Händler beläuft sich nach Berechnungen des Online-Portals preisvergleich.de bundesweit auf 2,5 Milliarden Euro. Viele Delikte werden jedoch nicht angezeigt. „Wir gehen davon aus, dass über 90 Prozent der Diebstähle nicht erkannt werden. Das fällt erst bei der Inventur auf“, sagt Beig.

Aufmerksamkeit zahlt sich aus

Im bundesweiten Vergleich rangiert der Nordosten laut preisvergleich.de bei den Diebstählen auf einem Platz im Mittelfeld. Durchschnittlich kommen auf 100 000 Einwohner rund 450 Diebstähle. In Klau-Hochburgen wie Berlin sind es dagegen rund 1000 Fälle. Mit dem Siegel sicherer Einzelhandel können sich Bundesländer wie Bayern schmücken mit einem Durchschnittswert von 295 Diebstählen.

Im Kampf gegen die vor Ladendieben spielt nach Ansicht der Polizei unter anderem gut ausgebildetes Verkaufspersonal eine wichtige Rolle. „Die Diebe fürchten im Grunde nur eines: Nämlich auf frischer Tat ertappt zu werden“, sagt die Sprecherin des Landeskriminalamtes, Synke Kern. Es muss nicht immer teure Videotechnik installiert werden. Mitarbeiter die erkennbar präsent seien, hätten sich als guter Schutz gegen Langfinger erwiesen. Manchmal genüge es auch schon aus, wenn höherwertige Waren im Blickfeld der Kassiererinnen aufgestellt werden. Im Neubrandenburger Marktplatzcenter setzt man außerdem auf Abschreckung durch einen Sicherheitsdienst, der durch die Ladenstraße streift. Die Maßnahmen scheinen zu greifen: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Diebstahlrate in Mecklenburg-Vorpommern halbiert.