Diskussion um Theaterreform:

Lässt man die Ballerinas über die Klinge springen?

Harter Einschnitt? Von dem jetzt noch existierenden Viersparten-Theater Neubrandenburg/Neustrelitz mit Orchester, Schauspiel, Musiktheater und Ballett könnten nur noch zwei Bereiche übrig bleiben.

Das Große Haus des Landestheaters Neustrelitz: Im Osten wird erneut um die Zukunft des Theaters gerungen.
Jens Büttner Das Große Haus des Landestheaters Neustrelitz: Im Osten wird erneut um die Zukunft des Theaters gerungen.

Die Sprengkraft hinter diesem Satz von Landrat Heiko Kärger (CDU) könnte schnell übersehen werden. Zur anstehenden Theaterreform erklärte der Verwaltungschef der Mecklenburgischen-Seenplatte: „Philharmonie und Konzertkirche sowie das Landestheater als Produktionsstandort in einer Sparte, mehr werden wir nicht hinbekommen.“ Das heißt im Klartext: Von dem jetzt noch existierenden Viersparten-Theater Neubrandenburg/Neustrelitz mit Orchester, Schauspiel, Musiktheater und Ballett werden nur noch zwei Bereiche übrig bleiben. Wobei der Erhalt der Philharmonie Neubrandenburg zusammen mit der Konzertkirche wohl gesetzt ist.

Damit haben der Landrat und Neubrandenburgs Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) offensichtlich schon einen wichtigen Pflock gesetzt, ehe die konkreten Verhandlungen mit dem Theater Vorpommern (Greifswald und Stralsund) überhaupt begonnen haben.

Das Jahr 2014 könnte zum Schicksalsjahr für das Landestheater werden. Geht es nach dem Willen von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) soll im Sommer das Gutachten des vom Land beauftragten Beratungsunternehmens Metrum vorliegen, sagte er dem Nordkurier. Brodkorb sieht für die Theater im Ostteil allerdings auch nicht den Handlungsdruck wie im Westen. „Die betriebswirtschaftliche Situation im Westen ist deutlich dramatischer“, erklärte er. Zudem seien die Gespräche im Ostteil über die Theaterreform „schon immer konstruktiver“ gewesen.

Trotzdem werden auch die Häuser in Ostmecklenburg und Vorpommern nicht um Kürzungen herum kommen. So sieht die Metrum-Variante vier, die jetzt neben der Staatstheater-Variante auch im Osten näher untersucht wird, die Zusammenlegung aller Musiktheater-Sparten zu zwei Opernkompanien vor, die dann durch das Land übernommen würden. Im Klartext hieße das für den Osten: Aus zwei Philharmonien wird eine. Ein Insider schätzt ein, dass ein Orchester mit 100 bis 110 Musikern den gesamten Ostteil des Landes bespielen könnte. Zum Vergleich: Allein Neubrandenburgs Philharmonie zählt zurzeit 70 Mitglieder.

Landesweit soll dieses Modell einen Einspareffekt von knapp zehn Millionen Euro pro Jahr bringen. Verbunden mit der „Zusammenlegung der Sängerensembles, der Chöre und der Orchester“ ergebe sich allerdings auch eine Reduzierung von 162 Stellen, heißt es in einer Metrum-Analyse. Schluckt das Theater Vorpommern möglicherweise die Kröte Orchesterabbau, um dafür den Großteil des Musiktheaters zu erhalten? Was wiederum für Neustrelitz heißen könnte, dass Oper, Operette und Ballett über die Klinge springen? Zu solchen Fragen will sich Brodkorb derzeit nicht äußern. „Ich will nicht spekulieren.“

 

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