"Dagegen ist die Google-Brille Spielzeug":

Landespolizei stolz auf neue Heli-Augen

Gerade noch wegen der umstrittenen Flüge des Innenministers in den Schlagzeilen, sollte am Freitag ein hochoffizieller Termin bei der Hubschrauberstaffel der Polizei in Rostock-Laage für ein positives Bild sorgen. Doch schon stichelt die Opposition wieder.

Oben wertet Polizeioperator Josephine Knoch im Hubschrauber aus, was unten vier Kameras aufzeichnen.
Bernd Wüstneck Oben wertet Polizeioperator Josephine Knoch im Hubschrauber aus, was unten vier Kameras aufzeichnen.

Die Hubschrauberstaffel der Landespolizei hat ein neues fliegendes Auge – ein Hightech-Kamerasystem für satte 2,4 Millionen Euro. Am Freitag wurde das Wunderding mit großem Bahnhof von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf dem Staffel-Standort in Rostock-Laage übergeben. Der Ressortchef steht in der Kritik, weil er laut den oppositionellen Grünen im Landtag einen der beiden Helikopter unberechtigt für Reisen in seinen Wahlkreis benutzt haben soll (Nordkurier berichtete). Gegenwärtig prüft der Landesrechnungshof die Vorwürfe, die Caffier zurückweist.

Das Kamerasystem besteht aus einer Tages- und Restlichtkamera sowie zwei Wärmebildkameras, die in einer Drehturmeinheit installiert sind. In das neue System sind zwei Laser zur genauen Positionsbestimmung integriert. Aufgrund seiner Leichtbauweise aus Karbon kann es werkzeugfrei zwischen den zwei Polizeihubschraubern ausgetauscht werden.

Opposition meckert über den Preis

Die Technik sei beeindruckend, die Effektivität der Hubschrauber werde schlagartig erhöht, sagte Caffier. „Dagegen ist die Datenbrille von Google nur ein nettes Spielzeug.“  Egal, ob ein Kind in
Gefahr sei, ein Schiff auf der Ostsee in Not, der Wald brenne, Verbrecher gejagt werden müssten oder der Helikopter bei einem Massenunfall wie dem auf der A 19 gebraucht werde – die Investition komme allen Menschen im Lande zu Gute, betonte der Minister. Was er nicht erwähnte: Gelegentlich werden die Helikopter auch bei Demos eingesetzt.

Und die Opposition zweifelt am teuren Gerät. „Für den Preis müsste die Kamera eigentlich um die Ecke schauen können“, meint Grünen-Landtagsabgeordneter Johannes Saalfeld. Überall werde an der Ausstattung der Polizei gespart, nur wenn es um das Lieblingsprojekt des Innenministers gehe, würden keine Kosten gescheut.

Kameras fanden bei ersten Flügen gleich ein Mädchen

„Die Polizeiausstattung in Mecklenburg-Vorpommern kann also auf die Formel gebracht werden: Oben in der Luft hui und unten im Streifendienst pfui. Das Kamerasystem hätte auch zwei Nummern kleiner sein können“, so der innenpolitische Sprecher der Fraktion. Zugleich räumte er ein, dass das System zur Vermisstensuche natürlich wichtig sei.

Aller politischer Streit interessierte Josephine Knoch, Polizeioperator im Hubschrauber, gestern nicht. Sie hat die Kamera schon getestet und ist begeistert: „Bei einem der ersten Flüge mit dem neuen System im Dezember haben wir mit der Kamera in einem Waldstück ein kleines Mädchen aus Boltenhagen finden können, das als vermisst gemeldet war.“