:

Landtag macht den Stöckelschuh-Test

Was muss das politische Parkett im Schweriner Schloss aushalten? Und macht es geseift oder lackiert mehr her? Im Zuge der Bauarbeiten am neuen Plenarsaal sind heikle Fragen zu klären.

Wo derzeit Baugerüste und Stahlträger die Szenerie bestimmen, zieht in zwei Jahren wieder die Landespolitik ein.
Jens Büttner Wo derzeit Baugerüste und Stahlträger die Szenerie bestimmen, zieht in zwei Jahren wieder die Landespolitik ein.

Der Landtag ist auf dem Holzweg, und das noch bis ins Frühjahr hinein. Dann steht die Frage an: Gibt’s künftig noch Parkett? Zur Probe wurden im Gang vor dem alten Sitzungssaal einige Quadratmeter verlegt: Esche, auf viererlei Weise bearbeitet – gewachst, geseift, geölt, lackiert, von einem satten Goldton über grün hin zu einem sehr hellen Beige. Zur nächsten Landtagssitzung ab 11. März steht der große Boden-Stress-Test an.

Gut möglich, dass bei einer Abstimmung mit den Füßen die Stöckelschuh-Trägerinnen das Zünglein an der Waage sind. Dem Vernehmen nach haben weibliche Entscheidungsträger schon Vorbehalte gegen Holz angemeldet. Es gebe Überlegungen, ob nicht Kunststoff eine „nutzerkompatiblere Variante“ sei, erklärt Landtagsdirektor Armin Tebben, Haus- und Bauherr. „Der Architekt plädiert für Holz, seiner Meinung nach verträgt das Gebäude gar nichts anderes.“

Stahlbetonträger in Scheiben entfernt

Um die Theorie an der Praxis zu messen, habe man sich für den Test entschieden. Sogar die Reinigung wird begutachtet, „das muss schließlich später alles bezahlt werden“.

Vom Parkett mal abgesehen stehen auf der Plenarsaal-Baustelle gerade schwerwiegende Aufgaben an: Zwei Stahlbetonträger werden scheibchenweise aus dem Raum entfernt. Sie waren in den 1970er-Jahren in die Ruine des einstigen Goldenden Saals eingebaut worden und müssen nun dem Neubau weichen.

Dafür trennt ein Spezialschneider die 300 Kilo schweren Blöcke ab, die durch eine Deckenöffnung ins drunterliegende Stockwerk abgeseilt und dann hinausbefördert werden. „Eine halbe Stunde dauert der Schnittvorgang, eine halbe Stunde der Abtransport“, erklärt Tebben.

Erste Sitzung im neuen Saal für 2017 geplant

Der neue Plenarsaal wird sich über drei Stockwerke erstrecken, ein Umstand, der den Umbau so anspruchsvoll macht, werden doch unterschiedliche Bauphasen berührt: ursprüngliches Mauerwerk von 1850 ebenso wie Einbauten nach dem Schlossbrand von 1919 oder Hinterlassenschaften aus DDR-Zeiten. Vor allem Statiker waren gefragt, damit das Schloss trotz des enormen Abspeckens nicht ins Wanken gerät.

„Die Arbeiten liegen im Zeitplan“, verkündete Armin Tebben am Freitag. Im Winter 2013 hatten Rückbauarbeiten begonnen, die erste Landtagssitzung 2017 soll im neuen Domizil über die Bühne gehen.

Ob es aber nun künftig überhaupt noch politisches Parkett heißen kann in Schwerin – diese Frage muss vorerst unbeantwortet bleiben.