Arbeitsmarkt:

Langzeitarbeitslose sollen nun besser betreut werden

Wer länger als ein Jahr ohne Job ist, hat oft mit vielen Problemen zu kämpfen. Familiencoaches sollen Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot bringen.

Die Zahl der Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist zurück gegangen.
Bernd Wüstneck Die Zahl der Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist zurück gegangen.

Die Arbeitslosenquote in MV ist auf einen Rekordwert gesunken – noch nie seit der Wende waren so wenig Menschen in einem Dezember ohne Job. Erstmals sank die Zahl der Arbeitslosen unter 100  000. Ein Jahr zuvor waren noch 100  100 Menschen erwerbslos. Mit einer Quote von 11 Prozent fiel Mecklenburg- Vorpommern im Vergleich der Bundesländer allerdings wieder auf den letzten Platz zurück, wie die Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, am Mittwoch informierte.

„Besonders erfreulich ist für mich auch, dass sich die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren überproportional verringert hat“, sagte sie. Demnach sank die Zahl gegenüber dem Dezember 2013 um stolze 21,6 Prozent und liegt nun bei 6500. Insgesamt ist aber die Schere weit geöffnet: Während der Landkreis Ludwigslust-Parchim im Westen mit 7,9 Prozent die niedrigste Quote feiern kann, kommt der Kreis Vorpommern-Greifswald im Osten auf 13,8 Punkte.

Arbeitsministerin Hesse will Familiencoaches einsetzen

Einig ist sich Haupt-Koopmann gemeinsam mit Arbeitsministerin Birgit Hesse (SPD), dass die Bekämpfung Langzeitarbeitslosigkeit ein Schwerpunkt im neuen Jahr werden soll. Hesse kündigte an, dass man nach einer Pilotprojektphase nun flächendeckend so genannte Familiencoaches einsetzen wolle. Solche Trainer kümmern sich nicht allein um den betroffenen Langzeitarbeitslosen, sondern um die ganze Familie und deren Probleme.

„Zielgruppen sind vor allem alleinerziehende Eltern oder Eltern mit arbeitslosen Kindern“, erläutert Antje Draheim, Abteilungsleiterin im Ministerium. Die Familiencoaches sollen bei freien Trägern angesiedelt sein und nach Bedarf Hand in Hand mit dem Berater des Jobcenters, mit der Jugendhilfe, mit Vertretern der Stadt oder auch Suchtberatern zusammenarbeiten. Finanziert werden sollen die Stellen vor allem mit Mitteln der EU.

Unternehmer können mehr auf Langzeitarbeitslose zugehen

Es gehe aber nicht nur um die Qualifizierung Betroffener für den ersten Arbeitsmarkt, sondern auch um eine verstärkte Bereitschaft der Unternehmen, sich Langzeitarbeitslosen zuzuwenden, forderte Haupt-Koopmann. „Nur ein Drittel der Betriebe in MV ist dazu bereit“, sagte sie. Helfen würde schon die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch oder auch eine Probebeschäftigung als Trainingsmaßnahme.

Ministerin Hesse wies schließlich die Kritik vieler Arbeitgeber im Land am Mindestlohn zurück: „Ich habe keine Befürchtungen, dass er den Geschäften schadet. Vielmehr können bis zu 70  000 Menschen in MV vom Mindestlohn profitieren.“