Wie transparent sind Caritas, DRK und Co.?:

Leser für mehr Kontrolle in der Wohlfahrt

Zu Berichten über wachsende Sozialausgaben des Staates einerseits und wachsende Einnahmen der Sozialindustrie andererseits sind Diskussionen entbrannt.

Die fehlende Kontrolle fördert Insidern zufolge eine Selbstbedienungsmentalität am „Geld aus der Steckdose“, wie es in der Branche lax genannt wird.
McPHOTO / vario images Die fehlende Kontrolle fördert Insidern zufolge eine Selbstbedienungsmentalität am „Geld aus der Steckdose“, wie es in der Branche lax genannt wird.

Den Managern der Sozialindustrie sollte verstärkt auf die Finger geschaut werden – das fordern Leserinnen und Leser unserer Tageszeitung. Der Nordkurier war der Frage nachgegangen, wer wohl die Geschäfte von Wohlfahrtsverbänden kontrolliert. Ergebnis: Obwohl sie einen erklecklichen Teil ihres Budgets aus öffentlicher Hand beziehen, ist öffentliche Kontrolle für Vereine und gemeinnützige Gesellschaften nicht vorgesehen.

„Von diesen aufklärenden Artikeln brauchen die Leute viel mehr“, schrieb Kai Schlüter auf Facebook. „Bitte nicht klein beigeben!“ Auch Dieter B. ermuntert per Mail „Weiter so! Bisher haben Sie nur an der Oberfläche gekratzt.“ Ein Wunsch, den die Redaktion erfüllen will.

Die fehlende Kontrolle bei Leistungsanbietern im Kinder-, Jugend- und Sozialbereich fördert Insider-Berichten zufolge eine Selbstbedienungsmentalität am „Geld aus der Steckdose“, wie es in der Branche lax genannt wird. So seien schon für Geschäftsführer auf Kreisebene sechsstellige Jahreseinkommen üblich. Zur Einordnung: Zwei der größten Wohlfahrtsverbände im Land, DRK und Arbeiterwohlfahrt, sind in 14 beziehungsweise 15 Kreisverbände gegliedert. Sie weigern sich, diese Strukturen entsprechend der neuen Kreisgrenzen zu verschlanken, wie FDP-Generalsekretär Johannes Weise kritisiert.

Kassenprüfer des Landes werben um ein Prüfrecht

Dass dabei kleine Initiativen auf der Strecke bleiben, befürchtet Klaus Heidrich, Vorsitzender des Vereins Humanitas Müritz. „Wir wollen nicht viel, nur Menschen mit Behinderungen und Senioren die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Wir haben eine Begegnungsstätte im Gutshaus Neu Schloen“, sagt er. Dazu seien nur geringe finanzielle Mittel nötig. „Diese zu bekommen ist in unserem Bundesland unmöglich.“

Auch die Ehrenamtsstiftung von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) werde das nicht ändern. „Wir sind auch Mitglied im Paritäter. Hier bekam ich einen kleinen Einblick, wie Landesverbände sich finanzieren. Der Artikel trifft genau den Punkt, obwohl manche Dinge noch viel schlimmer sind“, sagt Heidrich.

Roger Kunert aus Neustrelitz hingegen bricht in seinem Leserbrief eine Lanze für die Wohlfahrtsverbände, die sich „zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren und diese für ihre soziale Arbeit einsetzen“. Dem DRK beispielsweise sei mit dem Spenden-Siegel des unabhängigen Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen eine „sinnvolle Verwendung der Mittel“ attestiert worden. „Das heißt, dass bei sicherlich vorhandenen Mängeln und vereinzelten Missbräuchen (wo gibt es die nicht?) der Anteil der Verwaltungskosten angemessen ist.“ Genau davon würden sich die obersten Kassenprüfer von Mecklenburg-Vorpommern gern selbst überzeugen. Tilman Schweisfurth, Präsident des Rechnungshofes, wirbt angesichts stetig steigender Sozialausgaben um ein Prüfrecht bei Leistungsanbietern, die im Auftrag und auf Kosten des Staates tätig werden.

Unser Leser Eckhard Wolfgramm gibt diesem Vorhaben wenig Chancen. „Schade nur, dass keiner der für eine Änderung verantwortlich Zeichnenden auch nur einen Finger krumm machen wird“, sagt er in Richtung Politik, die über Ehrenämter eng mit den Wohlfahrtsverbänden verwoben ist.

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