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Linke und Minister streiten weiter um Förderstunden

Manche Kinder können mit Zahlen und Mengen nichts anfangen, andere verwechseln die Buchstaben. An Förderung mangelt es nach Ansicht der Linken. Der Minister widerspricht.

Viele Schüler in MV haben eine Lernschwäche, werden nach Meinung der Linken aber zu wenig gefördert.
             
Patrick Seeger Viele Schüler in MV haben eine Lernschwäche, werden nach Meinung der Linken aber zu wenig gefördert.  

Die Zahl der Mädchen und Jungen mit einer Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS) ist in Mecklenburg-Vorpommern deutlich größer geworden. Im Schuljahr 2012/13 haben 7028 dieser Schüler der 5. bis 9. Klassen Förderstunden erhalten, vier Jahre zuvor (2008/09) waren es 4782, also gut 2200 weniger. Das geht aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion der Linken hervor. „Die Zahl der Förderstunden pro Schüler hat dagegen abgenommen“, sagte die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg.

Fünf Minuten pro Schüler

Rein rechnerisch kämen derzeit auf jeden diagnostizierten Schüler fünf Minuten Förderunterricht pro Woche – oder eine halbe Stunde in Gruppen mit sechs Schülern. Die Schulen würden viel zu wenig Förderstunden zugewiesen bekommen. Ähnlich sieht es Oldenburg zufolge bei Schülern mit einer Lernbeeinträchtigung im Rechnen, der Dyskalkulie, aus. Ihre Zahl ist nach Ministeriumsangaben im gleichen Zeitraum von 331 auf 560 gestiegen.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) glaubt nicht an einen solch gravierenden Anstieg der Zahl der Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf. „Ich lasse die Zahlen prüfen“, sagte er am Mittwoch. Bei dem Material, das an die Linksfraktion ging, handele es sich um vorläufige Zahlen. „Da gibt es noch Korrekturbedarf.“

Kritik: Vieles wird zu spät diagnostiziert

Die von den Schulämtern gemeldeten Zahlen seien so uneinheitlich, dass sie nicht erklärbar seien. Die von Oldenburg errechneten fünf Minuten Förderunterricht seien nicht die einzige Förderung, sondern kämen obendrauf, sagte Brodkorb. Jede Schule erhalte eine Grundausstattung an Förderstunden zugewiesen und nach Bedarf zusätzliche Stunden. Oldenburg kritisierte, dass die Lese-/Rechtschreibschwäche und die Dyskalkulie zu spät diagnostiziert würden. Seit 2011 würden Diagnosen erst Ende der vierten Klasse gestellt. Die Schulen würden erst ab der fünften Klasse Stundenzuweisungen für die Förderung der Schüler erhalten. Dabei könne man eine Lese-/Rechtschreibschwäche schon viel früher feststellen, sagte Oldenburg.

Je früher die Defizite erkannt würden, desto besser könnten sie behoben werden. Sie warf dem Ministerium vor, zu wenig Diagnostiker einzusetzen. 45 Lehrer hätten sich in den vergangenen Jahren in einer zweijährigen berufsbegleitenden Ausbildung dafür qualifiziert. Doch es würden nur sieben eingesetzt. „Wahrscheinlich, weil sie Geld kosten, ebenso wie die Förderstunden“, meinte die Bildungsexpertin.

Auch hier widersprach der Minister. Die Kinder würden früher diagnostiziert, nur die förmliche Anerkennung einer Teilleistungsstörung erfolge erst in der vierten Klasse. Anspruch auf Förderung hätten die Betroffenen schon vorher. Mit der Anerkennung entstehe auch der Anspruch auf den „Nachteilsausgleich“, etwa auf mehr Zeit für bestimmte Arbeiten.