"Nur kleine Lichter":

Bewährung für Drogen-Bauern aus Löcknitz

Im Frühjahr hatte die Polizei eine Riesen-Cannabis-Plantage in Löcknitz ausgehoben. Jetzt sind die beiden Hanf-Gärtner verurteilt worden. Der Knast bleibt ihnen erspart.

Die beiden Angeklagten beim Prozessauftakt im Oktober.
Jörg Döbereiner Die beiden Angeklagten beim Prozessauftakt im Oktober.

Im Prozess um eine große Hanf-Plantage in Löcknitz hat das Landgericht Neubrandenburg Bewährungsstrafen verhängt. Zwei 42 und 40 Jahre alte Männer wurden am Montag zu je zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. "Wir hätten aber deutlich bessere Erkenntnisse gehabt, wenn die Polizei ihre Arbeit vernünftig gemacht hätte", sagte Richter Klaus Kabisch. Die Verurteilten, die aus dem polnischen Stettin (Szczecin) kommen, hatten gestanden, als Strohmann sowie als Handwerker und Hausmeister für die Hanf-Plantagenbetreiber tätig gewesen zu sein.

Die Anlage mit mehr als 3000 Cannabis-Pflanzen in einer alten Kaserne war im März 2013 aufgeflogen. Weil dort enorm viele Lampen und andere Ausrüstung entdeckt wurden, vermuten Ermittler, dass die Plantage noch deutlich ausgebaut werden sollte.

Richter kritisiert Ermittlungs-Pannen

Die beiden aus Polen stammenden Angeklagten wurden der Beihilfe zum bandenmäßigen Drogenhandel schuldig gesprochen. Damit folgte die Kammer den Plädoyers der Verteidigung, die ihre Mandanten als "kleine Lichter" sah und Bewährungsstrafen gefordert hatte. Beide saßen sieben Monate in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte die Männer der Betreiberbande zugerechnet und fast doppelt so hohe Strafen verlangt.

"Bei den Ermittlungen ist nahezu alles schief gelaufen, was schief laufen konnte", kritisierte der Richter die Ermittlungen in ungewöhnlich scharfer Form. So hatte das Landeskriminalamt einen Tipp von polnischer Seite bekommen, das in Löcknitz Hanfpflanzen zwischengelagert werden könnten. Statt das Objekt erst zu beobachten, um mögliche Drahtzieher und Betreiber zu ermitteln, habe ein Sondereinsatzkommando damals sofort "zugeschlagen", erklärte Verteidiger Ullrich Knye. Dabei seien die jetzt Verurteilten, die in dem Objekt waren, aber erst gar nicht entdeckt worden.

"Ohne die Geständnisse hätten wir gar nichts gehabt"

Zudem hätten die Ermittler ein Auto, das die Plantage verließ nur bis zur Grenze verfolgt, aber nicht kontrolliert. "Ohne die Geständnisse der Angeklagten hätten wir gar nichts gehabt", sagte Kabisch. Demnach sollen die beiden Verurteilten von einem angeblichen "Asiaten" angeworben worden sein. Der 42-Jährige übergab mehrfach Mietzahlungen im Voraus an einen Makler, insgesamt mehr als 20 000 Euro. Der Jüngere stellte als Handwerker Zwischenwände und eine Mauer auf, unter anderem um ein Diesel-Stromaggregat abzuschirmen.

Die "Ernte" aller bereits stehenden Pflanzen hätte nach Schätzungen einen Marktwert von rund zwei Millionen Euro gehabt. Ein kleiner Teil des gewonnenen Marihuanas von rund 200 Pflanzen soll vor der Durchsuchung noch nach Stettin gebracht worden sein. Nach den Komplizen wird weiter gesucht.

Löcknitz war 2013 kein Einzelfall. Nach dem Großfund wurden Fahnder auch in einer alten Kaserne in Dabel (Kreis Ludwigslust-Parchim) fündig: Dort standen schon rund 5000 Cannabispflanzen. 2013 wurden laut Landeskriminalamt bereits 20 Drogen-Plantagen im Nordosten beschlagnahmt, 2012 waren es 16, im Jahr 2011 den Angaben zufolge 13. In den Jahren davor waren deutlich weniger illegale Plantagen aufgeflogen.

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