Interview zum Thema Lyoness:

„Lyoness spricht die Gier der Menschen an“

Während die Firma in unserer Region noch relativ neu ist, sind die Erfahrungen andernorts deutlich größer. Robert Kiesel sprach mit der Wiener Journalistin Eva Maria Kaiser, die für den Österreichischen Rundfunk (ORF) schon seit Jahren zum Thema Lyoness recherchiert.

Eva Maria Hoppe-Kaiser
Hans Leitner Eva Maria Hoppe-Kaiser

Frau Kaiser, wann haben Sie zum ersten Mal von Lyoness gehört?

Das war im Jahr 2008, damals haben Konsumentenschützer der Arbeiterkammer erstmalig vor Lyoness gewarnt. Von da an habe ich recherchiert. Der erste Beitrag ist aber erst im Jahr 2012 erschienen.

Warum erst so spät?

Es haben sich erst dann Menschen bei mir gemeldet, die sich von Lyoness geschädigt fühlten, weil das Versprechen nach dem großen Geldsegen nicht erfüllt wurde. Das dauert eine Weile, bis die Menschen das begreifen.

Momentan laufen vor österreichischen Gerichten allerhand Klagen gegen Lyoness. Wie ist der aktuelle Stand?

Neben den Privatklagen von zwei Dutzend Mitgliedern läuft aktuell noch die Klage des Vereins für Konsumenteninformation wegen Intransparenz und unverständlicher Geschäftspraktiken. Außerdem ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betreiben eines Pyramidenspiels.

Lyoness selbst bezeichnet sich als „Einkaufsgemein-schaft“, lockt mit „Geld zurück bei jedem Einkauf“. Was kann daran falsch sein?

Das ist das offizielle Gesicht, gegen das sich nichts einwenden lässt. Kritisieren lässt sich an dem sogenannten Cashback-System höchstens, dass lange nicht alle angegebenen Geschäftspartner tatsächlich solche sind. Oft hat Lyoness nur Gutscheine en gros der Firmen gekauft.

Und die umstrittene, versteckte Seite?

Dabei geht es um Premiumpartnerschaften. Die Leute sollen Geld anzahlen, müssen dann aber genügend Mitglieder werben, sonst sehen sie ihr Geld nie wieder. Das sagt ihnen aber am Anfang niemand.

Auch Sie bemängeln also die fehlende Transparenz des Unternehmens?

Ich war bei einer Schulung dabei, habe gesehen, wie den Interessenten wichtige Details vorenthalten wurden. Meine Recherchen haben ergeben: Worum es wirklich geht, erfährt man erst, wenn man bereits Premiumpartner ist und Anzahlungen geleistet hat.

Was ist mit dem Vorwurf des Pyramidenspiels?

Das haben ehemalige enttäuschte Mitglieder behauptet. Sie beklagten die ungleichmäßigen Gewinnauszahlungen. Wer oben steht, bekommt demnach mehr ausgezahlt als die, die später in das System eingestiegen sind.

Warum wirkt Lyoness trotz allem so attraktiv auf die Menschen?

Es spricht die Gier der Menschen an, lockt mit dem schnellen Geld. Es sind halt gerade die kleinen Leute, Schlosser oder Kassiererinnen, die von dem großen Kuchen mitnaschen wollen.

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