Morla soll für Nachwuchs sorgen:

Männertausch im Stralsunder Schildkrötenbecken

Die Hoffnung auf Nachwuchs hat sich nicht erfüllt. Nun wurde in Stralsund das kleine Karettschildkröten-Männchen abgeschoben und durch einen kräftigeren Vertreter ersetzt. Die Erwartungen sind groß.

Die erste Begegnung des zukünftigen Traumpaares erfolgt unter den Blicken vieler Neugieriger.
Sommer Die erste Begegnung des zukünftigen Traumpaares erfolgt unter den Blicken vieler Neugieriger.

Nur mit Mühe schaffen es vier kräftige Männer, den zappelnden Neuankömmling aus dem Kleintransporter zu hieven. Immerhin bringt der Neue gut 65 Kilo auf die Waage. Zum ersten Mal in seinem 35-jährigen Leben traf Morla am Donnerstag im Stralsunder Großaquarium auf ein Weibchen seiner Art. Doch die erste Begegnung fiel unspektakulär aus. Immerhin aber schien die noch namenlose 49-jährige Schildkröten-Dame, die nun schon seit 29 Jahren im Meeresmuseum ihre Runden schwimmt, Interesse für den Neuen zu zeigen. Vielleicht gibt es ja doch mal Nachwuchs bei Stralsunds Unechten Karettschildkröten.

Morlas Vorgänger, ein 45 Jahre alter Junggeselle, der 2006 aus dem polnischen Gdynia an den Sund geholt wurde, hatte es nicht geschafft - vielleicht auch, weil er mit 50 Kilogramm nur halb so schwer war wie das Weibchen. Zwar habe es von Anfang an zahlreiche Paarungsversuche gegeben, sagt Aquarienleiterin Nicole Kube. Doch das völlig erschöpfte Männchen habe sich dabei Verletzungen zugezogen und habe sogar zur Erholung zeitweise zurück ins Quarantänebecken gemusst. Die Eier der Karettschildkröten-Dame blieben stets unbefruchtet.

Früherer Halter hat sich selbst angezeigt

Am Mittwoch nun wurde die Liaison aufgelöst. Das kleine Männchen wurde in die Büsumer Meereswelten gebracht, und statt seiner kam der kräftigere Morla an den Sund. Das Männchen war 2009 von Tierhaltern in Bayern abgeholt worden, die es entgegen tierschutzrechtlicher Bestimmungen zwei Jahrzehnte lang in einem nur zwei mal einen Meter großen Aquarium gehalten hatten. Als es zu einem 21 Kilo-Brocken herangewachsen war, zeigten sich seine Besitzer selbst an. Nach einjähriger Quarantäne in Stralsund kam Morla nach Büsum. Weil mittlerweile auch dort der Platz in dem 20000-Liter-Becken nicht mehr ausreichte, entschloss man sich zu dem Männertausch.

Mit Spannung fiebert das Stralsunder Museums-Team nun jenem Moment entgegen, wenn es in dem 350000 Liter fassenden Großterrarium zu einer Schildkröten-Hochzeit mit Happyend kommen sollte. „Es wäre weltweit das erste Mal, dass Meeresschildkröten, die lange Zeit in Gefangenschaft leben, Nachwuchs produzieren", sagt Kube.

Neue Probleme sind vorprogrammiert

Für die Eiablage klettern Meeresschildkröten-Weibchen an den Strand, wo sie die tischtennisgroßen Eier in einer Sandgrube ablegen. In dem vor elf Jahren gebauten Mega-Terrarium war dafür extra ein kleiner Landteil angelegt worden, den die Tiere erklettern könnten. Doch sollte es tatsächlich einmal im Meeresmuseum zu einer Eiablage kommen, sind neue Probleme vorprogrammiert.

Denn normalerweise legen ausgewachsene Schildkrötenweibchen 60 bis 150 Eier in den brütend warmen Sand. Weil aber Meeresschildkröten unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, dürfen diese Tiere nicht gehandelt werden. Auch die fünf in Stralsund lebenden Exemplare, zu denen auch zwei Suppenschildkröten - ein Geschenk des kubanischen Fischereiministers - und eine Echte Karettschildkröte gehören, waren seinerzeit nur in den Besitz des Museums gekommen, weil die DDR dem 1973 unterzeichneten Abkommen anfangs nicht beigetreten war.

Sollte es jetzt zu Nachwuchs kommen, dann dürften die kleinen Schildkröten weder verkauft noch verschenkt werden. Selbst eine Auswilderung verbiete sich, sagt Kube, auch weil die Tiere normalerweise an jenen Strand zurückkehrten, an dem sie geboren wurden. „Kommt es zur Eiablage, dann würden wir das Gelege deshalb wohl eher gar nicht erst ausbrüten."

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