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Meckpomm will Jäger zügeln

Großjagden mit bis zu 160 Schützen im Müritz-Nationalpark hatten Ende vorigen Jahres für Proteste von Anwohnern und Jägern geführt. Jetzt hat das Agrar- und Umweltministerium die Konsequenzen gezogen.

Schluss mit der wilden Knallerei: Jäger haben künftig strengere Regeln bei Drückjagden zu beachten.
Jens Büttner Schluss mit der wilden Knallerei: Jäger haben künftig strengere Regeln bei Drückjagden zu beachten.

Die heftig umstrittenen Großjagden im Müritz-Nationalpark wird es in Zukunft so nicht mehr geben. Das kündigte am Dienstag Umweltminister Till Backhaus (SPD) kurz vor Beginn der Drückjagd-Saison im November an. Die Zahl der Schützen werde deutlich reduziert, pro Drückjagd seien jetzt 45 vorgesehen. Im vergangenen Jahr waren bis zu 160 auf der Pirsch – eine Zahl, die für Kontrolleure vor Ort offenbar nicht mehr handelbar ist. Insgesamt werde der Teilnehmerkreis für die 16 geplanten Ansitzdrückjagden halbiert.

„Nach gründlicher Prüfung mussten wir feststellen, dass für die Erreichung einer höchstmöglichen Jagdstrecke Rechts- und Dienstvorschriften nicht beachtet wurden und bei der Jagdausübung die Ethik gegenüber dem Wild offenbar auf der Strecke geblieben ist“, so Backhaus. Unter anderem sei der Abschussplan bei Damwild deutlich überschritten worden – 160 Abschüsse waren erlaubt, am Ende mussten 294 Tiere sterben. Festgestellt habe man darüber hinaus Probleme bei der Nachsuche nach angeschossenen Tieren, den Einsatz nicht leistungsgeprüfter Jagdhunde, Verstöße gegen die Wildbretbehandlung und massive Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften. Beispielsweise seien unerlaubt Hochsitze verlassen worden. Die Bevölkerung der Region sei aber nicht gefährdet gewesen, betonte der Minister. Dafür allerdings belästigt – durch die große Ansammlung von Schützen, verbunden mit Autokorsos. Auch das werde es so nicht mehr geben, sicherte Backhaus zu. Wichtige Punkte bei der Neuorganisation seien der Einsatz ausschließlich geprüfter Hunde in ausreichender Zahl, verlässliche Gastjäger und eine stärkere Einbindung der Jägerschaft und der Hegegemeinschaften aus der Region. Zudem soll nur noch bleifreie Munition eingesetzt werden.

Das Ministerium hat mittlerweile auch personelle Konsequenzen gezogen. Gegen den verantwortlichen Jagdleiter des Nationalparkamtes läuft ein Disziplinarverfahren, er wurde mittlerweile dauerhaft in die Landesforstanstalt in Malchin versetzt. Zudem führt die beim Kreis angesiedelte Untere Jagdbehörde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, bei der Staatsanwaltschaft liegen mehrere Strafanzeigen vor.