Polizeigewerkschaft warnt:

Mehr Verbrechen an der Grenze

Der Chef der Gewerkschaft der Bundespolizei spricht Klartext: Immer mehr Autos werden geklaut, immer mehr Einbrüche verübt.

Polnische und deutsche Polizisten überprüfen ein Auto in Biegen nahe Frankfurt (Oder) (Brandenburg).
Patrick Pleul Polnische und deutsche Polizisten überprüfen ein Auto in Biegen nahe Frankfurt (Oder) (Brandenburg).

So sieht der Alltag der Polizei in der Grenzregion aus: In der Nacht zum Montag nahmen Beamte vier verdächtige Polen in ihrem Auto im brandenburgischen Bernau fest. An Bord eine Kettensäge, die sie in einer Gartenanlage entwendet hatten. Einen Tag zuvor stellte die Polizei bei Berlin zwei Litauer, die mit gestohlenen Lkw-Teilen erwischt wurde. Ebenfalls am Sonntag nahm die Polizei zwei weitere Litauer fest, die Reifen, Motorhauben und zahlreiche weitere Lkw-Teile in Storkow geklaut hatten. Einbruchsschaden: 85 000 Euro.

Die Brandenburgische Polizeidirektion Ost führt fast täglich derartige Delikte auf, die in die Rubrik Grenzkriminalität fallen. Ebenso die Bundespolizei in Pasewalk. Während Politiker demgegenüber lieber Statistiken zitieren, wonach die Zahl von Autodiebstählen und Einbrüchen in der Grenzregion nicht anwachse, spricht Jörg Radek, Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei, Klartext. Der Wegfall der Grenzkontrollen habe zu einem „deutlichen Anstieg der illegalen Migration nach Deutschland und zu einer dramatischen Steigerung grenzbezogener Kriminalität in Deutschland geführt“, sagte Radek.

"Massiver Stellenabbau ist falsch"

Immer mehr Autos würden über die Grenze ins Ausland gebracht, außerdem Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen. Beliebt sind bei den Langfingern außerdem Landwirtschafts- und Baumaschinen. Von daher sei es der falsche Weg, weiter „massiv Stellen an den Grenzen zu den osteuropäischen Nachbarn“ abzubauen, erklärte Radek.

2014 würden erneut 130 Stellen bei der Bundespolizei gestrichen. Das gehe auch an den Inspektionen Pasewalk und Stralsund nicht spurlos vorbei. „Das Personal wird schon jetzt oft nicht an der Grenze, sondern am Flughafen Frankfurt/Main eingesetzt“, sagte Radek. Dass ein großer Teil der Straftaten im Nordosten von ausländischen Tätern verübt wird, bestätigen Zahlen des Landeskriminalamtes MV: 2012 kamen von den 375 tatverdächtigen Autoschiebern 100 aus dem Ausland. Das Gros der Verdächtigen stammt aus Polen (73) und Litauen (19).

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) versprach jüngst im Nordkurier-Interview, das Thema Grenzkriminalität zur Chefsache machen zu wollen. Das sei löblich, sagte Gewerkschafts-Funktionär Radek. Allerdings habe Caffier schon 2008 als Innenminister den Abbau der Bundespolizei an seiner Landesgrenze widerspruchslos geduldet.

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