Staatliche Bevormundung in Kantinen?:

Meinungen aus MV zur Schweinefleisch-Pflicht

Es herrschte große Aufregung um die vermeintliche Schweinefleischpflicht. Der Nordkurier hat nachgefragt, ob es ein Skandalthema ist und auch hier im Land Relevanz hat.

Currywurst ist ein Renner in den Kantinen. Bleibt das auch zukünftig so?
Klaus-Dietmar Gabbert Currywurst ist ein Renner in den Kantinen. Bleibt das auch zukünftig so?

Das Schwein ist derzeit in aller Munde, zumindest politisch und medial. Der CDU in Schleswig-Holstein wird unterstellt, eine Schweinefleischpflicht zu fordern. Doch liest man das Papier genau, steht darin lediglich, dass Schweinefleisch im Angebot öffentlicher Kantinen erhalten bleiben soll.

Wie schaut es in unseren Schulen aus? Gibt es tatsächlich Kantinen, in denen Schülern die Wahl auf Schnitzel verwehrt wird? „Alles heiße Luft“, sagt Klaus-Dieter Eckelt von der Speiseversorgungsgesellschaft in Neubrandenburg. Er liefert täglich Hunderte Gerichte an Schulen und Kitas, Seniorenheime und soziale Einrichtungen aus. Täglich gebe es zwei Gerichte zur Wahl, eines davon sei ohne Schweinefleisch. Ein generelles Schweinfleischverbot könnte es mit ihm aber nicht geben: „Ich bin Mecklenburger und in unserer Küche ist Schweinefleisch nicht wegzudenken.“

Begrenztes Verständnis für Vorstoß von Parteikollegen

Und auch bei den Landkreisen war ein Schweinefleischverbot noch nie ein Thema. Achim Froitzheim, Pressesprecher beim Landkreis Vorpommern-Greifswald, sagte, er habe von der Thematik noch nie gehört. Ebenso sieht es sein Kollege Michael Fengler vom Landkreis Rostock. Dort, wo Kinder aus religiösen Gründen kein Schwein essen, bekommen sie meist Hühnchen- oder Putenfleisch.

Und was sagt die Politik? Der Nordkurier hat bei Mitgliedern des Bildungsausschusses im Landtag nachgefragt. Der Torgelower Landtagsabgeordnete der SPD, Patrick Dahlemann, sagte, dass da gerade Politik um ein Thema gemacht werde, das zumindest in MV keines sei. Und auch CDU-Mann Marc Reinhard hat nur begrenztes Verständnis für den Vorstoß seiner Parteikollegen. So lange das Kantinenessen gesundheitlich unbedenklich sei, sollte sich die Politik aus den Speiseplänen heraushalten.

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Kommentare (6)

Find ich gut, diesen Satz auch noch mit einem Nordkurier-Artikel zu verlinken, in dessen Überschrift genau das getan wird.

So sind wir eben ;) Mit freundlichen Grüßen, Oliver Wunder, Nordkurier-Redaktion

Gerade in Zeiten, in denen Sie - die Medien - sich zu Recht über eine offensichtlich etwas verschobene Sicht der Öffentlichkeit auf Ihre Arbeit beklagen, überkommt mich angesichts Ihrer Antwort ein eher ungutes Gefühl. Ein Weg, ernster genommen zu werden, könnte sein, auf den einen oder anderen Aufreißer zu verzichten, und statt dessen näher an der tatsächlichen Meldung zu bleiben. Sascha Lobo - man mag von ihm halten, was man will - hat gestern eine interessante Kolumne über die Gefährlichkeit von Verkürzungen veröffentlicht.

Sehr geehrter Nutzer ich_eben, ich antworte Ihnen natürlich auch gerne ernsthaft und ohne jedes Zwinkern. Zuerst: Wie Sie sicherlich bemerkt haben, stammen beide Texte von unterschiedlichen Autoren und sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschrieben worden. Im Antrag der CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein steht: "Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt." Der Satz sagt nicht, dass jedes Kind Schweinefleisch essen muss und das schreiben wir auch in keinem Text dazu. Wir titeln dagegen "Nord-CDU will Schweinefleisch-Pflicht in öffentlichen Kantinen". Denn das "erhalten bleiben" im Antrag ist - bewusst? - sehr schwammig formuliert und lässt Interpretationsspielraum. Die Formulierung lässt auch den Interpretationsspielraum zu titeln, dass die CDU eine Schweinefleisch-Pflicht an Kantinen fordert. Das ist pointiert und zugespitzt. Lobos Kritik, dass Medien den Antrag so darstellen, als ob es darum geht, jeder Kantinenbesucher müsse Schweinefleisch essen, sehe ich für unsere Berichterstattung als unzutreffend an. Mit freundlichen Grüßen, Oliver Wunder, Nordkurier-Redaktion

Um deutlich zu machen, dass unser Artikel nicht mit dem Unterstellungsvorwurf gemeint ist, habe ich den Link anders gesetzt. Mit freundlichen Grüßen, Oliver Wunder, Nordkurier-Redaktion

begründet. Das Moslems und Juden aus Glaubensgründen kein Schweinefleisch essen akzeptiert wohl jeder. Wenn aber die Politik durch Unterwürfigkeit Schweinefleisch aus Kantinen verbannen sollte, geht die Gastfreundschaft meiner Meinung doch erheblich zu weit. Wenn man nur noch auf religiöse Bräuche der Geflüchteten Rücksicht nehmen soll, gehört Weihnachten und Ostern auch abgeschafft. Von Schweinshaxen auf dem Oktoberfest und Nürnberger Rostbratwurst auf dem Christkindelmarkt ganz zu schweigen. Jetzt kommen Argumente wie zu viel Fleisch ist sowieso ungesund. Schweinefleisch ist qualitativ minderwertig, kommt aus der Massentierhaltung und ist mit Wachstimshormonen vollgepumpt.Bei Geflügel ist es zwar ähnlich und auch die Fische schlucken Plastikmüll, doch wir haben jetzt erstmal Dank der Flüchtlinge dasSchwein auf dem Schirm. So ich werde erstmal ins Schnitzelparadies gehen und mir ein Zigeunerschnitzel bestellen.