Skandal-Fall Lutheran:

MEK-Einsatz ohne Absprache mit MV-Behörden

Es kommen immer mehr Details ans Tageslicht. Möglicherweise haben Hamburger Elitepolizisten ihren Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr vertraut.

Bei einem Einsatz eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Polizei verlor ein Unschuldiger ein Auge. Er fuhr das Auto des Gesuchten Nico S.
Michael-Günther Bölsche Bei einem Einsatz eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Polizei verlor ein Unschuldiger ein Auge. Er fuhr das Auto des Gesuchten Nico S.

Der missglückte Zugriff einer Spezialeinheit der Hamburger Polizei im mecklenburgischen Lutheran wird immer skandalöser: Der Einsatz des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) fand ohne Absprache mit den hiesigen Sicherheitsbehörden statt. Auch ein Amtshilfeersuchen wurde nicht gestellt. Die Beamten meldeten sich lediglich am 12. Februar um 15.24 Uhr beim Lagezentrum des Innenministeriums in Schwerin an.

Das geht aus einer Antwort des Ressorts auf eine Parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor. Gegen 17 Uhr fiel dann der Kopfschuss, der einen Unschuldigen ein Auge kostete. Das MEK hatte ihn mit einer gesuchten Rotlichtgröße aus dem Hamburger Milieu verwechselt.

"Spricht nicht für vertrauensvolle Zusammenarbeit"

Das äußerst ungewöhnliche Vorgehen der Hamburger Elitepolizisten könnte mit mangelndem Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern zu tun haben. Zwei Tage vor den dramatischen Ereignissen in Lutheran hatte nämlich ein Spezialeinsatzkommando (SEK) aus MV einen Einsatz in Plau am See vermasselt, als es den gesuchten Nico S. festnehmen wollte. Stattdessen schnappte sich das SEK drei unschuldige Bauarbeiter, die gerade ihre Mittagsstullen verspeisen wollten.

„Da kann man vermuten, dass die Hamburger nicht zufrieden waren und die Sache nun in die eigenen Hände nehmen wollten“, sagte der Innenexperte der Linksfraktion, Peter Ritter, dem Nordkurier. Das spreche nicht gerade für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Polizei aus den einzelnen Bundesländern. „Spätestens seit dem NSU-Terror müsste man aber wissen, wie wichtig das ist.“

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