Chef des Städte- und Gemeindetages stark belastet:

Michael Thomalla war bis 1989 IM der Stasi

Sechs Jahre stand der heutige Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern als Inoffizieller Mitarbeiter in den Diensten des MfS. Am Dienstag wird sich eine Sondersitzung des Vorstands mit dem Fall befassen.

Michael Thomalla ist heute Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages in Mecklenburg-Vorpommern. Vor 1989 war er auch für die Stasi tätig.
Büttner Michael Thomalla ist heute Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages in Mecklenburg-Vorpommern. Vor 1989 war er auch für die Stasi tätig.

Paukenschlag im Jubiläumsjahr des Mauerfalls. Nach 25 Jahren taucht die IM-Akte des langjährigen Geschäftsführers des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern, Michael Thomalla, auf. Laut Unterlagen des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (BStU) führte das MfS Thomalla sechs Jahre lang als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM). Seine IM-Laufbahn begann 1983 in Prenzlau, wor er Kreissekretär der SED-Blockpartei LDPD war. Das MfS erhoffte sich von ihm vor allem Informationen aus Kreisen der Handwerker und Selbstständigen.

Verbandsvorsitzender verspricht schnelle Aufklärung

Aufgrund der Meldung des Nordkurier gab es am Sonnabend auch ein Telefonat zwischen Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und Reinhard Dettmann, dem Vorsitzenden des Vorstands des Städte- und Gemeindetages. Dettmann hat für Dienstagvormittag eine Sondersitzung des Vorstands nach Schwerin einberufen, sagte er. Einziges Thema: Der Stasi-Fall Michael Thomalla. Dettmann versprach eine schnelle Aufklärung der Affäre.

"Es würde jetzt nicht helfen, wenn wir tote Maus spielen", sagte Caffier. Er werde sich aber hüten, den Fall als Innenminister zu bewerten. "Ich bin nicht Arbeitgeber von Herrn Thomalla." Im Vorstand schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, "kann ich nur hoffen, dass Herr Thomalla persönliche Konsequenzen zieht", sagte Wilfried Block (parteilos), Bürgermeister von Friedland und Vorstandsmitglied des Städte- und Gemeindetages, am Sonntag. "Wir müssen auch darüber reden, wie die Stasi-Überprüfungen in der Geschäftsstelle abgelaufen sind."

Recherchen zur LDPD brachten Fall ans Tageslicht

Nach der Werbung durch einen Stasi-Offizier der Kreisdienststelle Prenzlau hatte sich der damals 24-Jährige Thomalla handschriftlich zur Zusammenarbeit bereit erklärt. "Ich, Michael Thomalla, geb. am 4.10.1958, verpflichte mich auf freiwilliger Grundlage mit dem MfS zusammenzuarbeiten", heißt es in seiner Verpflichtung vom 10. Januar 1983, die dem Nordkurier in Kopie vorliegt. Als IM-Namen wählte er laut Verpflichtung das Pseudonym 'Mike König'. 

Der Nordkurier stieß im Zuge von Recherchen zur Durchdringung der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) durch die Stasi auf die Akte von Thomalla. Das vorliegende Material umfasst eine Personalakte von 38 Blättern sowie eine Akte mit Berichten, die mehr als 400 Blätter enthält, sagte Marita Pagels-Heineking, die Leiterin der Neubrandenburger Außenstelle der BStU, auf Nachfrage des Nordkurier.

Seit Anfang 1990 bis heute fungiert Thomalla als Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages, ein Spitzenverband, der die Interessen der Kommunen vertritt.

Alle Hintergründe zu dem Fall stehen in der aktuellen Wochenendausgabe des Nordkurier - erhältlich am Kiosk oder als E-Paper hier.

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Kommentare (5)

Natürlich war die Frei Erde nicht gleich Stasi, vielleicht eher gleich SED. Was stimmt, ein ziemlich hoher Anteil der Redaktion war auch IM. In den 80er Jahren immerhin mehr als 25 Prozent. Im Gegensatz zu Herrn Thomalla hat der Nordkurier - wenn auch spät - seine Geschichte auf eigene Initiative aufgearbeitet. Ich verweise auf das Buch von Christiane Baumann zur Geschichte der Freien Erde.

Da Herr Thomalla,wie berichtet,überprüft worden ist,wurde von ihm eine Selbstauskunft verlangt. Hier wird gefragt,ob er Kontakte zur Stasi hatte oder für diese gearbeitet hat. ( So war es beim Bund). Sollte er dieses Fragen mit nein angegeben haben,ist es ein Grund zu einer sofortigen Entlassung. Ich hoffe das Herr Thomalla Einsicht zeigt und von sich aus den Posten räumt. Aber wahrscheinlich,wird er die Schuld bei anderen suchen !

Auch nach 25 Jahren ist jeder Fall einzeln zu bewerten ehe man Personen und Familien vernichtet. Dieserr Fall hier scheint aber ziemlich klar: Er hat offenkundig SEHR VIEL berichtet und kann sich nicht herausreden, er war nur Mitläufer und habe niemandem geschadet

Darüber hatte schon 2007 die Internetnachrichtenplattform MVREGIO berichtet, seltsamerweise hat das damals niemanden interessiert. Warum ist es denn jetzt so Interessant ??? …... Auch der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern, Michael Thomalla, soll nach Informationen von MVregio ein Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen sein. Als ehemaliger Funktionär der Blockpartei LDPD soll er jahrelang über Parteifreunde dem Ministerium für Staatssicherheit berichtet haben, so ein Insider gegenüber MVregio am Mittwoch (.04.07.2007.). Sein Deckname soll "Mike König" gewesen sein...... Erschien am 05.072007 im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über Stasiaktivitäten gegen Hansa Rostock und Wohnungsgenossenschaft BG Neptun. Für mich ist das Ganze augenscheinlich eine gezielte Aktion die jetzt in das politscher Konzept von wem auch immer passt.

Lieber Kollege, ich lese aus dem Statement heraus, dass sich MV-Regio 2007 auf einen Insider berufen hat, der anonym blieb. Außerdem steht da, dass Thomalla mit dem MfS zusammengearbeitet haben SOLL. Bleibt die Frage, warum Ihr an der Stelle nicht weiterrecherchiert habt und akteneinsicht bei der BStU beantragt habt. Der Vorwurf, dass jetzt ein politisches Süppchen mit dem Fall Thomalla gekocht werde, erschließt sich mir nicht. Welcher Partei soll Thomalla denn angehören, damit sich der politische Gegner jetzt die Hände reibt?