Bauernverband wehrt sich:

Milchbauern: Bullenkälber werden gemästet und nicht getötet

Werden Bullenkälber wie Eintagsküken behandelt und nach der Geburt getötet? Der Bauernverband weist den Vorwurf zurück. Doch den hat nie jemand erhoben.

Ein frisch geborenes Kalb in Zahrensdorf.
Jens Büttner Ein frisch geborenes Kalb in Zahrensdorf.

In MV geborene Bullenkälber werden aufgezogen und gemästet – nicht heimlich und illegal getötet. Das hat der Landesbauernverband am Dienstag auf einer Veranstaltung in Zahrensdorf im Landkreis Ludwigslust-Parchim klargestellt. „Ich bin entsetzt über das, was berichtet wird“, sagte der Betriebsleiter der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf, Torsten Schrein.

Allerdings: Im Mittelpunkt der Kritik steht eine mögliche mangelhafte Versorgung von männlichen Kälbern von Milchkühen, weil diese geringere Marktpreise erzielten. Grund sei die Konzentration bei der Zucht auf die Milch-, aber nicht die Fleischleistung, so die Landtagsabgeordnete der Grünen-Fraktion, Ursel Karlowski. Zugleich hatte das Agrarministerium in Schwerin eine hohe Sterblichkeitsrate bei Kälbern bestätigt und Missstände in kontrollierten Höfen aufgelistet (der Nordkurier berichtete). Die Untersuchungen liegen indes schon einige Jahre zurück und wurden dann nicht mehr fortgesetzt. Sowohl Bauernverband als auch das Ministerium konnten auf Nachfrage keine aktuellen Zahlen nennen.

Erlöse sind nicht immer kostendeckend

Der Autorin Tanja Busse („Die Wegwerfkuh“) zufolge verendeten in jedem fünften Betrieb ein Viertel der Kälber unmittelbar nach der Geburt wegen mangelnder Erstversorgung. Das sei nicht wahr, sagte der Vizepräsident des Bauernverbandes MV, Gerd Göldnitz, jetzt. Er räumte aber ein, dass es 2008 Probleme mit der Kälbergesundheit gab. Diese seien überwunden, teilweise durch Umbauten der Ställe.

Die männlichen Kälber in Zahrensdorf würden mit 14 Tagen an Mastbetriebe verkauft. Die Erlöse seien nicht immer kostendeckend, sagte Betriebsleiter Schrein. Im Durchschnitt seien im vorigen Jahr 110 Euro pro Kalb erzielt worden. „Damit verdiene ich kein Geld“, sagte er.

Grünen-Abgeordnete Karlowski hält dagegen: „Auch wenn der Bauernverband den erzielbaren Erlös pro Kalb mit 110 Euro angibt, wurde für 14 Tage alte Holstein-Kälber im Januar 2015 teilweise unter 10 Euro bezahlt. Und das auch nur, wenn sie kräftig genug waren. Was mit den Kälbern geschieht, die der Viehhändler nicht abnimmt, wurde bislang nicht beantwortet“, sagte sie. Sie gehe zwar nicht davon aus, dass die Kälber aktiv getötet werden. „Aber es wird auch nicht alles getan, um die Tiere lebendig und gesund zu halten“, so Karlowski.

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