Immergrüner Weihnachtsschmuck:

Mistel kommt als Glücksbringer aus Frankreich

 Die parasitär auf Bäumen lebende Pflanze gilt speziell im angelsächsischen Raum als Glücksbringer. Der Händler Siegfried Holdt beliefert Weihnachtsmärkte und sogar Botschaften mit den Zweigen.

Siegfried Holdt holt die Misteln aus Frankreich, wo er seit über 40 Jahren jeweils im Spätherbst auf Erntetour geht.
Bernd Wüstneck Siegfried Holdt holt die Misteln aus Frankreich, wo er seit über 40 Jahren jeweils im Spätherbst auf Erntetour geht.

Die immergrünen Zweige haben in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur. „Misteln bringen Glück und stehen für ein langes Leben, für Gesundheit, Fruchtbarkeit, Mut und Glück“, sagt Siegfried Holdt, einer der größten Händler Deutschlands. Auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt stapeln sich an seinem Stand die Mistelzweige. Seit 1991 ist der Mann aus Appel bei Hamburg in jedem Jahr auf der längsten Festmeile Norddeutschlands zu finden. Gelegentlich beliefert er noch andere Märkte – sogar in Italien.

Seine Mitarbeiterin Sanda Gienap hängt Mistelzweige unters Vordach zum Verkauf. „Mit den anderen habe ich noch etwas Arbeit. Die muss ich passend zueinander stutzen und mit einer roten Schleife jeweils zu einem Strauß binden“, erzählt die gelernte Restaurantfachfrau. Nach anhaltender Arbeitslosigkeit avanciert sie jetzt zur Mistelexpertin. „Als ich vor einem Jahr hier anfing, hatte ich von Misteln überhaupt keine Ahnung. Aber inzwischen habe ich richtig Spaß an dem Hexenkraut“, sagt die 29-Jährige.

Seit über 40 Jahren geht Holdt jeweils im Spätherbst auf Erntetour, bevorzugt nach Frankreich. „Dort stehen reihenweise Apfelbäume mit Misteln“, berichtet der 65-Jährige. Mit einer Teleskopschere holt er die immergrünen Parasiten aus bis zu sechs Metern Höhe von den Wirtsbäumen. Viele Bäume seien schon umgefallen, weil die Misteln ihren Saft bis auf den letzten Tropfen aussaugen. Weil in Holdts Job als Kameramann die Aufträge ausblieben, sattelte er in den 70er Jahren um.

Elsässer Obstbauern freuen sich über die Hilfe

Mitwettbewerber hat der fahrende Händler kaum, allein die Behörden machen es ihm schwer. „Wer Misteln gewerblich ernten will, braucht in Deutschland eine Genehmigung. Für Mecklenburg-Vorpommern gibt es die bei uns“, sagt die Botanik-Artenschutzbeauftragte beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow, Anja Abdank. Holdt umgeht die bürokratische Hürde und ist bei Obstbauern im Elsass gern gesehen. „Die freuen sich, wenn ich die Parasiten aus ihren Bäumen quasi zum Nulltarif herausschneide“, bemerkt er. Unter Naturschutz stehe die Mistel nicht.

Seiteneinsteiger Holdt ist bei Studenten und Wissenschaftlern ein gefragter Gesprächspartner. „Früher wurde aus den weiß-gelben Beeren der Mistel, viele sagen Kusskugeln, Klebstoff gewonnen. Der war besser als jede chemische Mixtur“, berichtet er. Rein wissenschaftlich sind vor allem Onkologen der Mistel auf der Spur. An der Universität Rostock wird unter Leitung von Ernst Klar an individualisierten Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen geforscht. Die Wirkung ist allerdings umstritten.

Germanen glaubten an eine Schutzfunktion

Die Germanen waren der Ansicht, dass die Mistel die Menschen beschützt. Und Asterix der Gallier hat erfahren, dass ein Zaubertrank mit Misteln übernatürliche Kräfte verleiht, im Kampf gegen die Römer gar unbesiegbar macht. Anita Hartwig und Bernd Radloff wollen sich unterm Mistelzweig einfach nur küssen. „Und was haben Sie sich jetzt gewünscht?“, fragt Holdt. Er klärt das Pärchen an seinem Stand auf, dass ein im selben Augenblick geäußerte Wunsch dazugehört.

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