Er soll Gewinnspiele manipuliert haben:

Moderator Japke muss erneut vor Gericht

Gerade erst wurde er vorzeitig aus dem Vollzug entlassen, nun droht dem ehemaligen Ostseewelle-Moderator Marcus Japke neues Ungemach. Der 41-Jährige, der vor zwei Jahren wegen Kindesmissbrauchs zu drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, soll Gewinnspiele in der Morgenshow des Radiosenders veruntreut haben.  

So berichtete der Nordkurier am 7. 11. 2012 über den Ausgang des Prozesses gegen Marcus Japke. Nun muss der Ex-Radiomoderator wohl bald wieder vor Gericht.
Repro NK So berichtete der Nordkurier am 7. 11. 2012 über den Ausgang des Prozesses gegen Marcus Japke. Nun muss der Ex-Radiomoderator wohl bald wieder vor Gericht.

Einst plauderte er sich als Gute-Laune-Bär mit lockeren Sprüchen durch die Morgen-Show des Rostocker Radiosenders Ostseewelle, bis am Morgen des 29. Mai 2012 die Polizei am Sendetisch auftauchte. Den völlig unerwarteten Wechsel vom Mikrofon zum Haftrichter erlebte die Öffentlichkeit quasi live mit. Der Fall des beliebten Moderators bestimmte monatelang die Schlagzeilen, bis Japke am 7. November desselben Jahres in einem vergleichsweise unspektakulären Prozess wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt wurde.

Über drei Jahre hinweg Sex-Kontakte zu Zwölfjähriger

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte Japke vor Gericht gestanden, seit dem Herbst 2005 mehrfach und über drei Jahre hinweg sexuelle Kontakte mit einer damals Zwölfjährigen gehabt und sie missbraucht zu haben. Ein umstrittener Deal hinter verschlossenen Türen bescherte ihm seinerzeit das vergleichsweise milde Urteil.

Nach fünf Monaten Untersuchungshaft und knapp zwei Jahren Gefängnis ist Japke inzwischen wieder auf freiem Fuß. Der Vater von zwei kleinen Söhnen sei am 1. Oktober dieses Jahres aus dem Vollzug entlassen worden, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock. Im Internet kursiert das Gerücht, das einstige Zugpferd der Ostseewelle wolle zurück ans Mikro. Doch ein Comeback im Radio gilt als unwahrscheinlich. Sein Sender hatte ihn schon vor zwei Jahren kurz nach dem Urteilsspruch fristlos gefeuert – nicht nur wegen der 26 nachgewiesenen Sexualdelikte, wie es scheint.

Gewerbsmäßiger Betrug und betrügerischer Bankrott

Denn dem 41-Jährigen steht erneut Ungemach ins Haus. Eine neuerliche Anklage der Staatsanwaltschaft könnte ihn bald wieder vor Gericht bringen. Es geht um gewerbsmäßigen Betrug zum Nachteil seines früheren Arbeitgebers und um betrügerischen Bankrott.

Japke werde vorgeworfen, als Morgenshow-Moderator regelmäßig Gewinnspiele seines Senders manipuliert zu haben, sagt Staatsanwalt Holger Schütt. Demnach ließ er ausgewählte Strohmänner gewinnen, die anschließend den größten Teil der Gewinnsumme bei ihm und einem weiteren Komplizen abliefern mussten. Der Trick war vergleichsweise einfach und soll über Jahre hinweg unbemerkt geblieben sein. Bei der Auswahl der zahllosen Anrufer soll Japke als Moderator die für ihn erkennbaren Rufnummern angenommen und die Hintermänner als Gewinner gekürt haben. Insgesamt soll das Duo auf diese Weise von 75.200 Euro ausgelobten Gewinnen rund 61.400 Euro aus den Radiospielen eingestrichen haben.

Zugleich wirft die Staatsanwaltschaft dem einst halbwegs populären Radio-Star und Lebemann betrügerischen Bankrott vor. Japke, der einst auf seiner Homepage verkündet hatte, gern mal als „Mann des Jahres“  gekürt werden würde, soll schon vor seinem tiefen Karrierefall seine Einkünfte als Radiomoderator gegenüber dem Gericht verschleiert haben. Denn schon im Jahre 2005 soll er beim Leipziger Amtsgericht Insolvenz beantragt haben. Seinerzeit soll es um eine Schuldsumme von rund 300.000 Euro bei elf Gläubigern gegangen sein.

Nicht alle Einkünfte dem Insolvenzverwalter angegeben

Doch offenbar hatte Japke, der mit Luxusauto und schickem zweigeschossigen Eigenheim protzte, nicht alle Einkünfte dem Insolvenzverwalter angegeben. „Wir haben ihn angeklagt, Einkommen und Vermögenswerte wie Immobilien manipuliert zu haben“, sagt Schütt. Aus Unterlagen, die im Dezember 2011 bei der Durchsuchung von Wohnungen und Büros in Rostock und Umgebung, Berlin und Köln beschlagnahmt worden seien, gehe unter anderem hervor, dass Japke sein Vermögen offenbar beiseite geschafft habe, indem er sie zum Beispiel seiner Lebensgefährtin zugeschrieben haben.

Die Anklage liegt schon seit Mai vergangenen Jahres beim Rostocker Landgericht. Laut Staatsanwaltschaft sei ein Verhandlungstermin unlängst zunächst wieder abgesetzt worden. Gerichtssprecher Michael Mack macht für die Verzögerung die Überlastung der zuständigen Strafkammer verantwortlich.  Vermutlich muss sich Marcus Japke erst im kommenden Jahr vor Gericht wegen betrügerischem Bankrott und gewerbsmäßigem Betruges in besonders schwerem Fall verantworten. Das mögliche Strafmaß liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.

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