Justiz überlastet:

Mutmaßliche Drogen-Dealer freigelassen

Sechs Monate saßen vier Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Daraus sind sie nun freigekommen, doch ein Prozessbeginn ist in weiter Ferne.

Vier Angeklagte können nun wieder in Freiheit leben, bis ihr Gerichtsprozess endlich beginnt.
Bernd Wüstneck Vier Angeklagte können nun wieder in Freiheit leben, bis ihr Gerichtsprozess endlich beginnt.

Überlastetes Gericht: Vier mutmaßliche Drogen-Kriminelle sind aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil ihr Prozess am Schweriner Landgericht nicht in der vorgeschriebenen Frist von sechs Monaten begonnen hat. Ein Gerichtssprecher begründete dies am Montag mit Überlastung der zuständigen Strafkammer. Zuvor hatte NDR 1 Radio MV berichtet.

So erweise sich ein bereits laufender Drogenprozess mit vietnamesischen Beteiligten als sehr aufwendig, sagte der Gerichtssprecher. Es müsse viel übersetzt werden, und es gebe kaum Einlassungen. Außerdem sei der zuständige Richter auch für Jugend- und Jugendschutzsachen zuständig. Einer seiner Prozesse betraf den dutzendfachen sexuellen Missbrauch im Schweriner Jugendverein "Power for kids".

Angeklagten drohen lange Haftstrafen

Das Oberlandesgericht in Rostock, das am 22. März die Haftbefehle gegen die vier Drogen-Verdächtigen aufhob, sieht nach Angaben des Justizministeriums hingegen ein tiefgreifendes Strukturproblem beim Schweriner Landgericht. Dieses Problem sei durch das Präsidium des Gerichtes lösbar, erklärte ein Ministeriumssprecher.

Laut NDR drohen den vier Angeklagten im Falle einer Verurteilung mindestens fünf Jahre Haft. Sie sollen im Raum Nordwestmecklenburg Cannabis-Plantagen betrieben und die Produkte verkauft haben.