Klagefreudig:

MV mischt beim Streiten vorne mit

Krach mit dem Nachbarn, Stress mit dem Vermieter, Zoff mit dem Mobilfunkanbieter – da fackeln die Einwohner im Nordosten nicht lange und holen sich juristischen Rat.

Auffällig ist, dass Männer deutlich häufiger einen Streit vom Zaun brechen als Frauen: Auf das Konto der männlichen Streithähne gingen rund 68 Prozent der geprüften Auseinandersetzungen.
dpa Auffällig ist, dass Männer deutlich häufiger einen Streit vom Zaun brechen als Frauen: Auf das Konto der männlichen Streithähne gingen rund 68 Prozent der geprüften Auseinandersetzungen.

„Sie hören von meinem Anwalt“: Mehr als jeder fünfte Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern hat im vergangenen Jahr einen Rechtsstreit geführt. Das geht aus dem Streitatlas der Rechtsschutzversicherung Advocard hervor, die eine Million Rechtsstreitigkeiten von Privatpersonen ausgewertet hat. Im Nordosten kamen demnach auf 100 Einwohner 21,5 juristische Auseinandersetzungen. Die Region liegt damit leicht über dem deutschlandweiten Durchschnitt und im Vergleich der Bundesländer auf Platz sechs.

Die schlimmsten Streithälse der Republik leben laut Advocard-Erhebung in Berlin. Mit 26,2 Rechtsstreitigkeiten pro 100 Einwohner führen die Hauptstädter vor Hamburg (24,3) und Brandenburg (22,7) die Rangliste an. Weit weniger gezankt wird dagegen in Bayern und Baden-Württemberg, wo im Durchschnitt lediglich jeder sechste Einwohner im vergangenen Jahr einen Anwalt in die Spur geschickt hat. Warum es in den südlichen Bundesländern offenbar gelassener zugeht, geht aus der Studie allerdings nicht hervor. „Dafür haben wir keine plausible Erklärung“, erklärt Advocard-Pressesprecherin Sonja Frahm.

Dauerbrenner sind Nebenkostenabrechnungen

Konfliktthema Nummer eins sind laut Streitatlas Dinge aus dem privaten Bereich: Mehr als jeder dritte Fall dreht sich um Fragen des täglichen Lebens wie Kauf- oder Mobilfunkverträge. „Ein Dauerbrenner sind auch juristische Auseinandersetzungen über Nebenkostenabrechnungen“, teilt die Advocard-Sprecherin Sonja Frahm weiter mit.

Ums Auto, Schadenersatz und Schuldzuweisungen bei Verkehrsunfälle geht es in mehr als jedem vierten Fall. Auffällig ist, dass Männer deutlich häufiger einen Streit vom Zaun brechen als Frauen: Auf das Konto der männlichen Streithähne gingen rund 68 Prozent der geprüften Auseinandersetzungen.

Für eine juristische Streiterei sind mitunter ein langer Atem und viel Geduld nötig. Ein Drittel der Fälle ziehen sich länger als ein Jahr hin. Gleichzeitig verzeichnen die Rechtsschutzversicherer steigende Streitwerte. In elf Prozent der Fälle geht es laut Streitatlas mittlerweile um mehr als 10 000 Euro.