Als wäre Neubrandenburg weg:

MV verliert in 5 Jahren 67 000 Einwohner

Mecklenburg-Vorpommern wird als Wohnort interessant: Im ersten Halbjahr zogen erstmals 711 mehr Menschen an die ostdeutsche Küste als wegzogen. Trotzdem schrumpft die Einwohnerzahl weiter, weil deutlich mehr Alte sterben als Babys geboren werden.

Jens Büttner MV hat in den vergangenen fünf Jahren 67 000 Einwohner verloren.

Die Einwohnerzahl Mecklenburg-Vorpommerns sinkt scheinbar unaufhaltsam: Im ersten Halbjahr verlor der Nordosten weitere 0,2 Prozent seiner Bevölkerung. Wie das Statistische Landesamt am Donnerstag in Schwerin mitteilte, sank die Zahl der Einwohner um 3428 auf 1 596 899. Immerhin ist die Abwanderung kein Problem mehr. Erstmals seit 1998 zogen in einem ersten Halbjahr mehr Menschen nach Mecklenburg-Vorpommern, als dem Land den Rücken kehrten. Das kleine Wanderungsplus beträgt dem Amt zufolge 711 Personen.

Allerdings starben 4350 Menschen mehr als geboren wurden. Und die Geburtenzahl ist rückläufig: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erblickten im Nordosten 5816 Babys das Licht der Welt und damit 1,9 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch die Zahl der Eheschließungen ging um fünf Prozent zurück. Im Jahr 2008 hatte das Land noch 1 664 356 Einwohner. Binnen fünf Jahren hat Mecklenburg-Vorpommern damit etwa so viele Einwohner verloren wie in der drittgrößten Stadt des Landes, in Neubrandenburg, leben.

Mecklenburgische Seenplatte am stärksten betroffen

Innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns zogen im ersten Halbjahr 27 716 Menschen um. Über mehr Zu- als Wegzüge konnten sich nicht etwa Rostock freuen, sondern die Landeshauptstadt Schwerin (+480) sowie die Landkreise Rostock (+493), Vorpommern-Rügen (+412) und Ludwigslust-Parchim (+389). Wegen des sogenannten Sterbeüberschusses verloren insgesamt aber alle Kreise und kreisfreien Städte außer Schwerin Einwohner. Am stärksten betroffen war der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, dessen Bevölkerung um 1136 Personen schrumpfte. Vorpommern-Greifswald verlor demnach 1037 Einwohner. Die Landeshauptstadt wuchs indes um 218 auf 91 482 Einwohner.

Die jüngste Bevölkerungsprognose, sie stammt von Ende 2012, geht von einem weiteren Schrumpfen der Bevölkerungszahl in den kommenden zwei Jahrzehnten aus. Die Experten schätzen, dass im Jahr 2030 in Mecklenburg-Vorpommern noch 1,476 Millionen Einwohner leben werden. In Rostock sollen dann gut 223 000 Menschen wohnen - und damit über zehn Prozent mehr als heute. Alle Landkreise und auch Schwerin werden demnach weiter Einwohner verlieren.

Ministerpräsiden Erwin Sellering (SPD) freute sich am Donnerstag aber erst einmal über die Zuzüge. "Noch vor zehn Jahren war Abwanderung das große Thema im Land", sagte er mit Blick auf das kleine Wanderungsplus. "Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei." Mecklenburg-Vorpommern sei deutlich attraktiver geworden. Allerdings müsse die Wirtschaftskraft des Landes weiter steigen und die Familienfreundlichkeit noch besser werden, damit junge Menschen im Nordosten bleiben oder aus anderen Bundesländern zuziehen.

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!