Gerüchte um wirtschaftliche Pobleme:

MV-Vorzeigefirma muss die Reißleine ziehen

Unklare Zukunft für den Träger des Deutschen Zukunftspreises 2014: Die Grimmener Prolupin GmbH muss sich neu ausrichten, denn im Markt ist man trotz Millionenförderung noch nicht angekommen.

Die Innovation von Prolupin aus Grimmen scheint es schwer zu haben im Lebensmitteleinzelhandel.
Jens Büttner Die Innovation von Prolupin aus Grimmen scheint es schwer zu haben im Lebensmitteleinzelhandel.

Noch im November hat Bundespräsident Joachim Gauck den mit 250000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis an die Prolupin GmbH aus Grimmen übergeben, da kursieren nun Hinweise über wirtschaftliche Turbulenzen, in denen die Firma steckt. So wechselten kurz hintereinander zwei Geschäftsführer, ein neuer dritter ist jetzt am Werk. Zudem sollen Absatz und Arbeitsplatzentwicklung dem eigentlichen Plan hinterherhinken. Das Unternehmen wurde bislang mit 1,03 Millionen Euro  gefördert – Geld, das also der Steuerzahler bereitgestellt hat.

Neuausrichtung deutet auf Absatzschwierigkeiten hin

Neuer Kapitän an Bord ist Malte Stampe, 48-jähriger Vertriebs- und Marketingmann. Gegenüber unserer Redaktion bestätigte der Geschäftsführer, das Ausscheiden seiner Vorvorgängerin Katrin Petersen, die die Firma einst in Neubrandenburg aufgebaut und dann mit ihr nach Grimmen umgezogen war. „Sie ist auf eigenen Wunsch ausgeschieden“, sagte Stampe.

Petersen selbst ist telefonisch nicht erreichbar gewesen. Der Wechsel von der eher wissenschaftlich ausgerichteten Petersen über deren Nachfolger Oliver Gollnick hin zu Stampe deutet aber schon darauf hin, dass die Firma Schwierigkeiten beim Absatz hatte. „Frau Petersen hat einen wissenschaftlichen Hintergrund, aber keinen für Endkonsumenten. Ein Endkonsumentengeschäft und eine Marketingstrategie aufzusetzen, wie wir es jetzt tun, gehört nicht zu ihrer Kernkompetenz“, wurde der neue Boss doch recht deutlich. Und, dass Gollnick nun einen anderen Posten inne hat, sei von Anfang an geplant gewesen: „Er war Interimsgeschäftsführer.“ Auch mehrere Mitarbeiter für das Marketing seien gegangen.

Zukunftspreis für schmackhaftes Lupineneiweiß

Prolupin hatte für sein Verfahren, bitteres Lupineneiweiß schmackhaft zu machen, den Deutschen Zukunftspreis 2014 erhalten. Der Plan: vegetarische und vegane Lebensmittel auf Basis der in Mitteleuropa heimischen Blauen Süßlupine zu entwickeln. Zielgruppe: Allergiker, Cholesterinbewusste, aber auch Veganer oder Vegetarier, denen Soja zu bitter und muffig schmeckt. Der Haken dabei: Auch Lupinensamen haben einen grasigen, intensiven Geschmack, den es zunächst zu tilgen galt.

Das gelang durch ein mehrstufiges Verfahren, mit dem die reinen Proteine mittels Wasser und Kohlendioxid von den Aromen getrennt wurden. Die isolierten Eiweiße können dann als fast geschmacksneutrale Grundstoffe für Stabilisatoren in Brotaufstrichen und Drinks oder als sogenannte Strukturbildner in Wurstersatz- und Teigwaren eingesetzt werden. Eine erste Wegmarke war 2011 erreicht: Die Prolupin GmbH brachte ihr Lupinen-Eis auf den Markt.

Ziel soll es jetzt sein, die Marke national und international zu etablieren und Fuß in den Supermarktketten zu fassen. Auch an einem neuen Markennamen bastle man, sagte Stampe. Schwerpunkt sollen Molkereiprodukte sein, etwa 15 plane man. Welche genau das sein werden, könne er noch nicht sagen. „Anfang des zweiten Quartals wollen wir die Produktpalette einführen.“ Laut dem Geschäftsführer soll in diesem Jahr auch die Produktionshalle in Grimmen ausgebaut werden. Gegenwärtig beschäftige man 13 Mitarbeiter: „Ziel sind 15“, so Stampe. 

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