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Ghanaer abgeschoben

Die Abschiebung eines Überfallopfers aus Ghana sorgt für Kritik. Früheren Ausweisungen hatte sich der Mann offenbar entzogen.

Der wichtigste und vermutlich einzige Zeuge eines Raubüberfalls in Schwerin wurde abgeschoben.
Christian Charisius Der wichtigste und vermutlich einzige Zeuge eines Raubüberfalls in Schwerin wurde abgeschoben.

Mit scharfer Kritik haben Flüchtlingsverbände und die Opferberatung Lobbi auf die Abschiebung eines Ghanaers reagiert. Der 20-Jährige war am Dienstagmorgen von seiner Schweriner Wohnung aus zunächst nach Berlin gefahren und später nach Italien ausgeflogen worden. Weil er dort bereits als Asylbewerber registriert worden war, lehnten die Behörden in Deutschland ein Asylverfahren ab.

Besondere Brisanz erfährt der Fall dadurch, dass der Ghanaer am 21. Dezember des vergangenen Jahres Opfer eines brutalen Überfalls in Schwerin geworden sein soll. Laut Pressemitteilung der Polizei hatten „drei Täter den Geschädigten mit einem Baseballschläger verletzt und dessen Portemonnaie geraubt.“ Die Angreifer hätten einzig aufgrund des zufälligen Erscheinens eines Passanten von ihrem Opfer abgelassen. Der Ghanaer musste mit Prellungen und Blutergüssen im Klinikum behandelt werden. Laut Lobbi habe er deutliche Anzeichen einer Traumatisierung aufgewiesen.

Vorherigen "Überstellungsversuchen" habe sich der Mann entzogen

Vor diesem Hintergrund erklärte Tim Bleis, Mitarbeiter von Lobbi: „Eine Abschiebung in so einer Situation ist ungeheuerlich.“ Es sei „völlig unerklärlich, wie der wichtigste und möglicherweise einzige Tatzeuge eines Raubes während der laufenden Ermittlungen durch die Staatsschutzabteilung der Schweriner Polizei abgeschoben werden kann.“ Ingo Ziesemer, Anwalt des seit 2012 in Schwerin lebenden Ghanaers, erklärte: „Die Entscheidung, ihn einen Monat nach der Tat abzuschieben, halte ich für extrem unsensibel.“

Dagegen erklärte das Innenministerium, die Ausländerbehörde Schwerin hätte bereits im April 2014 die Abschiebung des Ghanaers angemeldet. Er sei zu diesem Zeitpunkt „vollziehbar ausreisepflichtig“ gewesen. Zwei „Überstellungsversuchen“ hätte sich der Mann jedoch entzogen. Zum Zeitpunkt der nun erfolgten Abschiebung seien den Behörden gesundheitliche Probleme des Mannes nicht bekannt gewesen.

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Kommentare (2)

Nach dem Dublin III Abkommen,hätte dieser Ghanaer keinen Asylantrag hier mehr stellen dürfen. Also hat er sich bereits nach dem AuslG. strafbar gemacht. Deswegen ist es richtig,dass er in das Land zurück gebracht wird,indem er seinen Antrag gestellt hat. Die Ermittlungen,hätten nur noch seinen illegalen Aufenthalt verlängert. Das Strafverfahren,kann auch ohne das Opfer vor Ort betrieben werden.

Nein es ist nicht „völlig unerklärlich, wie der wichtigste und möglicherweise einzige Tatzeuge eines Raubes während der laufenden Ermittlungen durch die Staatsschutzabteilung der Schweriner Polizei abgeschoben werden kann.“ Denn falls es zur Verurteilung der Gewalttäter kommen sollte, reicht ein Widerspruch deren Anwälte um das Verfahren in die nächste Instanz zu befördern. Ob dann der einzige Zeuge noch einmal zur Vernehmung erscheinen kann, ist mehr als ungewiss. Welcher der 3 Täter den Baseballschläger einsetzte, wird sich ohne den Abgeschobenen schwer erklären lassen. Cui bono?