"Karriere auf Lügen aufgebaut":

Nach Stasi-Vorwürfen - Thomalla fristlos gekündigt

25 Jahre lang war die frühere Spitzeltätigkeit für die Stasi unentdeckt geblieben. Die Vergangenheit holte den langjährigen Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommerns dann aber doch ein. Michael Thomalla wurde gekündigt.

Bernd Wüstneck Michael Thomalla wurde am Dienstag vom Städte- und Gemeindetag fristlos gekündigt

Wegen seiner Stasi-Verstrickungen ist der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV, Michael Thomalla, am Dienstag fristlos gekündigt worden. Das teilte nach einer dreistündigen Sondersitzung des Vorstandes der Vorsitzende des kommunalen Spitzenverbandes, Reinhard Dettmann (parteilos) mit. „Er hat seine Karriere auf einer Lüge aufgebaut“, begründete die einstimmig getroffene Entscheidung. Thomalla hatte eingeräumt, dass er bei Amtsantritt 1990 schriftlich versichert hatte, nie für die Stasi gearbeitet zu haben.

Nach unserer Redaktion vorliegenden Akten der Stasi-Unterlagenbehörde hatte Thomalla von 1983 an über sechs Jahre als IM gearbeitet und auf mehr als 400 Seiten Berichte über Mitglieder der damaligen Blockpartei LDPD angefertigt.

Alle Mitarbeiter müssen sich jetzt Überprüfung unterziehen

„Mir ist bewusst geworden, dass mein damaliges Verhalten falsch war und ich dies als einen großen Fehler empfinde. Ich bitte um Entschuldigung bei all denjenigen, die Gegenstand meiner Berichterstattung waren und biete ihnen das Gespräch an“, sagte Thomalla. Er habe in der fraglichen Zeit an das sozialistische Gesellschaftssystem geglaubt.

Verbandsvorsitzender Dettmann kündigte an, dass nun alle Mitarbeiter, die 1989 volljährig waren und auch alle Vorstandsmitglieder einer Stasi-Überprüfung unterzogen werden. Dies sei - anders als im öffentlichen Dienst vorgeschrieben - bislang nicht geschehen, weil der Städte- und Gemeindetag ein eingetragener Verein sei.

Auch Innenminister Lorenz Caffier reagiert auf den Fall Thomalla: "Ich bedauere das Ausscheiden von Michael Thomalla aus dem kommunalen Spitzenverband, hätte mir aber auch von Herrn Thomalla erhofft, dass er in den Gremien mit seinen Fehlern aus jungen Jahren offener und transparenter umgeht. Bei aller sachlicher Diskussion darf nicht vergessen werden, was Herr Thomalla in den vergangenen 25 Jahren für unser Land geleistet hat.", so Caffier.

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Kommentare (2)

Dass Thomalla sich in Wahrnehmung seiner Aufgaben als Geschäftsführer des StGT M-V seine "Brötchen redlich verdient" hat, stellt wohl niemand in Abrede. Sollte das erklärte Bedauern des Ministers zum Rauswurf Thomallas in diesem Artikel richtig wiedergegeben sein, kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Meine Meinung hierzu: "Nix verstanden, Herr Minister!". Hans Schommer Bürgermeister der Gemeinde Hohnbollentin Delegierter der Mitgliederversammlung des StGT M-V

Werter ISENHAGEN, Ihr Beitrag weckt den Anschein, dass Sie noch nicht so recht mit der Lebenswirklichkeit umzugehen verstehen. Wie dem auch sei - auch ich denke, dass der Steuerzahler im vorliegenden Falle zu entlasten wäre. Durch Aberkennung der Ruhegehaltsansprüche. Herr Thomalla wird dann den Riemen etwas enger schnallen müssen. Wie viele derer, die er denunziert hat. Oder diejenigen seiner damaligen Gesinnungsgenossen, die nicht so klever waren wie er. Hans Schommer Hohenbollentin