FKK auf Usedom und Wollin:

Nackte sind in Polen nicht gern gesehen

Ein Nacktbade-Strand auf Usedom nur für Leute bis 35. Diese ungewöhnliche Idee hatte ein konservativer Abgeordneter der Swinemünder Stadtvertretung. Doch mit dem Thema scherzt man nicht im Grenzgebiet.

Nackt baden ist auf Usedom nicht ganz unkompliziert.
Waltraud Grubitzsch Nackt baden ist auf Usedom nicht ganz unkompliziert.

„Naked Girls Only (Nur nackte Mädchen)“ steht auf einem Schild vor dem Kiosk am östlichen Ende des Ahlbecker Strandes. Das ist offensichtlich nicht ernst gemeint. Die weit und breit einzige nackte junge Frau liegt nämlich ein gutes Stück weiter in der Sonne. Unweit eines anderen Schildes, das ungefähr da steht, wo die deutsch-polnische Grenze verläuft. Auf dem Schild steht „Anfang Hundestrand“.

Die eigentliche Bedeutung ist eine andere. Denn während sich die junge Frau auf der deutschen Seite des Schildes unbehelligt nackt sonnen kann, müsste sie auf der anderen Seite mit Unannehmlichkeiten rechnen. Denn Nackte sind auf dem Swinemünder Teil des Strandes nicht gern gesehen.

Nachbarn kamen mit den Nackedeis nicht klar

Das könnte sich eventuell ändern. Ein Mitglied der Swinemünder Stadtvertretung schlägt vor, einen Teil des polnischen Strandes für Nudisten auszuweisen. Unter der Bedingung, dass die Sonnenanbeter nicht älter als 35 sind. Das könnte nicht ernst gemeint sein, denn der Abgeordnete Andrzej Mrozek gehört der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an, die als eher konservativ gilt. Doch auch wenn es kein Scherz sein sollte: Die Chancen für einen FKK-Strand stehen schlecht. Stadtpräsident Janusz Zmurkiewicz zumindest sieht keine Notwendigkeit. Vor allem, weil es ja schon den FKK-Strand auf der deutschen Seite gebe, der seit dem Beitritt Polens zur Schengen-Zone ohne weiteres für jeden Swinemünder zu erreichen sei. Zudem gebe es auch auf der polnischen Seite, auf der Insel Wollin, einen Nudistenstrand.

Vor sechs Jahren, als der Zaun zwischen Polen und Deutschland am Grenzstrand gerade erst verschwunden war, ging es dort drunter und drüber. Zumindest aus der Sicht eines Swinemünder Stadtvertreters. Denn dort, wo sich schon zu DDR-Zeiten FKK-Anhänger tummelten, gingen jetzt auch Swinemünder spazieren. Darunter auch einige, die sich vom Anblick der Nackten unangenehm berührt fühlten. Umgekehrt genossen auch die Nackten die neue Freiheit und spazierten ungeniert auf der polnischen Seite umher. Die Hafenstadt Swinemünde mag sich zwar weltoffen geben, noch ist Polen aber ein katholisches Land.

Der Höschenkrieg war in aller Munde

Dementsprechend hoch schlugen die Ostseewellen, als der Stadtvertreter forderte, das Nacktbaden an der Grenze zu verbieten. Fast weltweit wurde darüber berichtet. Eine Illustrierte nannte es: „Höschenkrieg auf Usedom“. Beendet wurde er 2009 ganz pragmatisch durch die Schilder am Grenzstrand. „Anfang Hundestrand“ bedeutet auch und vor allem: „Achtung, Nackte“.

Die ehemalige Kampfzone liegt heute ruhig da. Es gibt mehr Hunde als Nackte. Der offizielle FKK-Strand fängt auch erst mehrere Hundert Meter von der Grenze entfernt an. Dazwischen liegt der Hundestrand, an dem der Kiosk Badegäste mit Getränken und Snacks versorgt. FKK und Textil, „das mischt sich hier“, sagt einer der Verkäufer. Offensichtlich auch, was die Herkunft angeht. Die junge Frau von der deutschen Seite zieht sich an und verlässt den Ort Richtung Osten.

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