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Negativbilanz: MV wird zum Paradies für Cannabis-Anbau

Im Land werden immer mehr Rauschgift-Pflanzen gezüchtet. Die Polizei warnt vor Gefahren, die von den illegalen Gewächshäusern ausgehen.

Die Polizei warnt vor dem Genuss und Anbau von Marihuana - Hanf-Freunde, wie hier auf einer Demo in Berlin, machen sich dagegen für eine legale Abgabe von Cannabis stark.
Tim Brakemeier Die Polizei warnt vor dem Genuss und Anbau von Marihuana - Hanf-Freunde, wie hier auf einer Demo in Berlin, machen sich dagegen für eine legale Abgabe von Cannabis stark.

Der Anbau von Drogen spielt in Mecklenburg-Vorpommern offenbar eine wachsende Rolle. Seit Jahren werden immer mehr illegale Rauschgift-Pflanzungen in ausgedienten Ställen, Lagerhallen, Kellern, Kasernen oder Gutshäusern Mecklenburg-Vorpommerns entdeckt, meldete jetzt das Landeskriminalamt (LKA) in Rampe bei Schwerin. 2013 wurden 21 Cannabis-Plantagen durch Polizei und Zoll ausgehoben. Im Vorjahr waren es noch 16, 2011 insgesamt 13 Anlagen. In den Jahren davor wurden jeweils maximal eine Handvoll Anlagen gefunden.

Bisher lag der Anbauschwerpunkt in den Niederlanden, doch seit 2000 gehen die Behörden dort massiv gegen Produzenten vor, wie es hieß. So würden die Täter unter anderem nun verstärkt auch nach Deutschland abgedrängt, sagte ein Sprecher des LKA. Der dünn besiedelte Nordosten biete den Drogenbauern eine Vielzahl an verlassenen, abgelegenen Objekten, die sich nach Ansicht der Kriminellen für den illegalen Hanfanbau eignen und oft mit immensem Aufwand ausgerüstet würden.

Die Kriminalisten gehen von einer Dunkelziffer noch unerkannter Drogenfelder in Mecklenburg-Vorpommern aus. „Wir werden den Verfolgungsdruck auf hohem Niveau halten, so dass sich die Betreiber solcher Anlagen niemals sicher fühlen können“, sagte LKA-Sprecher Michael Schuldt.

Professionelle Anlagen für potenzielle Millionengewinne

Die Profi-Plantagen zählten jeweils mehrere tausend Pflanzen und würden mindestens vier- bis sechsmal im Jahr oder – bei unterschiedlichem Entwicklungsstadium der Pflanzen – sogar rund um die Uhr abgeerntet. Die Gewinnmöglichkeiten gehen dabei in die Millionen.

Aus Cannabis- oder Hanfpflanzen wird das illegale Rauschgift Marihuana gewonnen. Unter künstlichem Licht und idealen Temperaturen im Hochleistungs-Anbau steige der Wirkstoffgehalt im Vergleich zum Naturanbau um ein Vielfaches auf über 20 Prozent an. Damit erhöhen sich die Risiken, die sich hinter der vermeintlichen „weichen Droge“ verbergen, immens. Ihre Wirkung ist nurschlecht abschätzbar, betonteSchuldt. „Das hat nichts mehrmit dem Gras von vor40 Jahren zu tun“, sagte er.

Die Spezialisten warnen zudem vor Gefahren, die von den Gewächshäusern für Anwohner ausgehen. Die Täter würden die Drogenflächen auch gegen mögliche Konkurrenten scharf bewachen. Stromfallen, Fallgruben, Kampfhunde bis hin zu Selbstschussanlagen würden zur Sicherung der Objekte eingesetzt, hieß es. Daneben würden teils „wahnwitzige Verkabelungen“, illegales Abzweigen von Energie sowie gewaltige Stromaggregate zur Versorgung des energieintensiven Drogenanbaus genutzt, meinte Schuldt. Die Brand- und Explosionsgefahr steige bei solchen Objekten.

Kommentare (2)

Im Text stehen viele Argumente, um Cannabis endlich zu entkriminalisieren. Warum schreibt der Nordkurier eigentlich nicht über die Freigabe von Cannabis in Colorado/USA zum 1.1.14? Wann begreifen die Verantwortlichen in Deutschland, dass Cannabis eine Steuerquelle sein kann? Gleichzeitig wandern "Millionen" von Euro an Umsätzen vom Schwarzmarkt dann offiziell über den Ladentisch. Arbeitsplätze werden geschaffen. Kinder und Jugendschutz können kontrolliert und eingehalten werden. Es gibt keinen Grund für ein absolutes Verbot von Cannabis. Schon gar nicht wenn gleichzeitig die tödliche Droge Alkohol frei verkäuflich ist.

Der Fotoaufmacher im Internet ist ansatzweise ausgewogener als der in der gedruckten Ausgabe. Viele Punkte im Artikel haben mich geärgert. Erstens ist es traurig, in seiner Lokalzeitung einen schlecht recherchierten, tendenziösen sachlich falschen und veralteten Artikel einer freien Journalistin auf der ersten Seite zu lesen. Sind die Reporter aus der hauseigenen Redaktion noch im Weihnachtsurlaub? Zweitens strotzt der Artikel von Information, die sich schnell am Schreibtisch in einer 20minütigen Googlerecherche zusammenklauben lassen. Den Rest des Artikels bildet eine launige Paraphrasierung eines Flyers der Landespolizei! Investigativer Journalismus - Fehlanzeige. Beispiel Selbstschussanlagen: Wo sind denn die Nordkurier/SVZ Redakteure mal auf eine "Selbstschussanlage" in einer dieser illegalen Anlagen gestoßen? Im Archiv findet sich darüber nichts. Der Grund ist offensichtlich: Die Selbstschussanlagen waren nie da. Einzig alte Artikel von SpiegelOnline (Mai 2007!) berichten, ebenfalls ohne genaue Ortsangaben, von der angeblichen Existenz solcher Anlagen. Drittens zeigt sich im Artikel von Grit Büttner ein fragwürdiges Selbstverständnis von der Aufgabe einer Journalistin. Seit wann ist es eigentlich in Ordnung, sich als unkritischer Weiterverbreiter von ungeprüften Pressemeldungen und Statistiken der Landespolizei zu verstehen? Die Polizei macht ihre Arbeit, indem sie teure und aufwändige Ermittlungen betreibt, um dann 21 mal Gewächshäuser auszuheben, in denen Pflanzen angebaut werden. Pflanzen!!! Wohlgemerkt, illegalisierte Pflanzen. Die einzige Negativbilanz, die ich hier erkennen kann, ist die mittlerweile zur Obsession gewordene Leidenschaft der Ermittlungsbeamten, nach außen hin so zu tun, als würde diese Arbeit irgendeine gesellschaftspolitische Relevanz haben, uns sicherer leben lassen oder in Abwägung von Aufwand und Nutzen stehen. Von einer Journalistin ist zu erwarten, dass auch in einer nicht als Kommentar sondern "Nachricht" (Flyer der Polizei MV vom 17.12.13, soviel zum Aktualitätswert) erkenntlichen Meldung eine Einordnung der Wichtigkeit dieser Meldung geschieht. Wäre dies hier gemacht worden, würde der Artikel auf den hinteren Seiten in der Rubrik Vermischtes gehören. Viertens zu den sachlichen Fehlern: Es fängt schon an mit der Überschrift: Negativbilanz! In Zeiten von Öko und Bio und selbstangebauten Lebensmitteln ist es doch zu begrüßen, dass jetzt weniger Treibstoff für den Transport verbraucht wird; dass wirtschaftlich brach liegende Flächen endlich einer profitablen Verwendung zugeführt werden, dass hier in MV mal was neues außer Schweinjauche und Genkartoffeln aus den Äckern sprießt. Innovative Geschäftsfelder, die dem Staat bei Legalisierung sogar hohe Steuereinnahmen versprechen (der Markt ist ja offensichtlich da), werden hier diffamiert. Weiterhin ist es unzutreffend, dass eine Brand- und Explosionsgefahr von Cannabisanlagen ausgehen würde, nur weil dort Strom abgezweigt wurde oder Dieselgeneratoren arbeiten. Sämtliche landwirtschaftlichen Anlagen wären hier in MV Sperrgebiet, wenn dem so wäre. Die eingige Gefahr dieser ganzen Negativbilanz geht von der weiteren Kriminalisierung einer längst im Mainstream angekommenen Genussdroge aus. Es gibt keinen einzigen Cannabistoten auf der Welt, keine gesicherten Zahlen zur Gesundheitsschädlichkeit der Droge (abgesehen vom ohnehin schädlichen Rauch) und kein erhöhtes Risiko für die Mitmenschen, die kein Cannabis konsumieren wollen (anders z.B. bei den aggressiven Alkoholprügeleien). In mehreren Staaten der Welt ist Cannabis nicht aus reiner Faulheit der Ermittlungsbehörden legalisiert worden, sondern weil erkannt wurde, dass die Illegalisierung einer ungefährlichen (besonders im Vergleich zu Alkhohol) Droge der eigentliche Grund für die damit verbundene Kriminalität ist. Wann wird das mal im Nordkurier thematisiert?