Flugzeugunglück löst Shitstorm aus:

Netz-Debatte mit bitterem Beigeschmack

Die Nachricht war gerade erst publik, da wurden bereits erste Kommentare zu Flug 4U 9525 im Internet veröffentlicht. Reines Mitgefühl? Von wegen. Ein Rapper brachte das Fass zum überlaufen.

Auf Twitter veröffentlichte der Rapper Moneyboy eine fiese Nachricht nach der anderen zu Flug 4U 9525.
Arno Burgi Auf Twitter veröffentlichte der Rapper Moneyboy eine fiese Nachricht nach der anderen zu Flug 4U 9525.

„Was ist der Unterschied zwischen German Wings und KFC Hot Wings? Die Hot Wings kommen in Deutschland gut an“, twitterte der Rapper Moneyboy nur wenige Stunden nach dem tragischen Unglück des Fluges 4U 9525. Und als sei das nicht schon schäbig genug, macht er munter weiter. „Der Pilot hätte das Flugzeug retten können. Aber ein Passagier hatte vergessen, seinen Sitz in aufrechte Position zu bringen“, schreibt er wenig später. Wer glaubt, dass der Rapper mit diesen Aussagen der einzige ist, täuscht sich gewaltig. In den sozialen Netzwerken wimmelt es nur so von Witzen, Anfeindungen und Beleidigungen. Reine Trauer? Fehlanzeige.

Streitdebatten in den sozialen Netzwerken

Auch ein Blick in hiesige Netzwerke zeigt, dass nicht immer emotional, sondern auch nüchtern beobachtet wird. Sebastian J. aus Berlin postet auf seiner Facebookseite: „Statistisch gesehen stürzen Flugzeuge ab und AKWs explodieren. Trotzdem sind wir Menschen überrascht, als würden Naturgesetze überwunden“. Vier Nutzern gefällt das. „Es sterben 26 000
Menschen durch Autos. Warum sind die 140 jetzt mehr wert, dass sich Kolonnen von Politikern nach Frankreich bewegen und noch der allerletzte Kaninchenzüchterverein eine Bedauernsbekundung publizieren muss“, schreibt er weiter. Und er bekommt Antworten. Viele Antworten. „Ich finde es schlimm, wenn man dieses Unglück, bei dem Menschen sterben, als Anlass dazu nimmt, seine Meinung in Sachen Medienrummel etc. zu nutzen“, schreibt Sissi R. „Diese Meinung in der Situation auf diese Weise kund zu tun ist sowas von überflüssig und kontraproduktiv und ein Schlag in die Fresse der Hinterbliebenen“, äußert sich Friedrich H.

Spanien verbietet gehässige Internetbotschaften

Auch auf der Facebook-Seite des Nordkurier ging wenige Minuten nach Veröffentlichung der ersten Fakten die Diskussion los. Einige Nutzer schien nur zu interessieren, wie viele Tote es denn jetzt gegeben habe. Waren es 144, 148 oder doch 150? Von Mitgefühl keine Spur. Stattdessen wird über die genaue Zahl gestritten. Die Nachricht, dass womöglich Schüler an Bord waren, stößt ebenfalls eine Grundsatzdebatte los. Zahlreiche Leser warfen den Medien vor, sensationsgierig zu sein. „Die Gier nach Profit – tötet schon wieder einmal unschuldige Menschen“, schreibt Holger N. In Spanien
gingen die gehässigen Internetbotschaften soweit, dass sich die Polizei einschaltete. Gegen die Autoren wird nun ermittelt.

Kommentar unserer Autorin:

Wo bleibt bitte das Mitgefühl? Wir sollten trauern, nicht streiten!

150 Menschenseelen sind erloschen. Auf einen Schlag Familien und Freundschaften auseinandergerissen. Plötzlich und völlig unerwartet. In den Medienhäusern überschlugen sich die Nachrichten. Erst eine, dann ganz viele. Immer mehr Einzelheiten zu der Tragödie wurden bekannt. Informationen, die so schnell wie möglich an die Leser weitergegeben werden mussten. Kaum waren die Texte im Netz, begann auch schon der Shitstorm. Die Trauer wurde plötzlich zur Nebensache. Stattdessen wurde darüber gestritten, wie viele Tote es denn jetzt wirklich gegeben hat. Wer eine falsche Zahl nannte, bekam wenig später die Quittung dafür. Sehen so Trauer und Mitgefühl aus? Wohl kaum. Statt Anteilnahme zerreißt man sich wortwörtlich das Maul. Detailreich und in der Öffentlichkeit. Von Mitgefühl keine Spur. Und das bei 150 toten Menschen.

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