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Neue Leitung für Windstrom geplant

Ein Energieunternehmen will eine neue Strom-Autobahn. Dabei bemüht sich der Netzbetreiber um den Dialog mit betroffenen Bürgern und Landwirten. Doch viele offene Fragen sorgen für Bedenken.

Wird die neue Hochspannungsleitung den Pasewalker Kirchenforst queren oder umgehen? 50 Hertz-Ingenieur Oliver Britz zeigt, wo es langgehen könnte.
Benjamin Vorhölter Wird die neue Hochspannungsleitung den Pasewalker Kirchenforst queren oder umgehen? 50 Hertz-Ingenieur Oliver Britz zeigt, wo es langgehen könnte.

Warten und die Ohren offenhalten. Etwas anderes bleibt Jürgen Schirmer nicht übrig. Der Landwirt aus Grünow bei Prenzlau gehört zu denjenigen besorgten Bürgern, die mitreden wollen. Mitreden wenn es darum geht, eine geeignete Trasse für eine neue Hochspannungsleitung zu finden.

Der Netzbetreiber 50Hertz will mit einer 380-Kilovolt (kV)-Freileitung von Bertikow nach Pasewalk das Energienetz ausbauen. Mit der 30 Kilometer langen Leitung soll in Zukunft verstärkt Wind- und Solarstrom in die südlichen Bundesländer transportiert werden. Ein Großprojekt, das vielen betroffenen Bürgern Bauchschmerzen bereitet. Denn die Planungen schreiten nicht voran und lässt sie mit vielen offenen Fragen zurück.

„Es wird herumgeeiert und es gibt wenig Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen“, kritisiert Landwirt Jürgen Schirmer. Aus seiner Sicht habe 50Hertz ohnehin schon fertige Pläne in der Schublade. Und wenn diese im Genehmigungsverfahren auf den Tisch kommen, seien sie so gut wie Gesetz, sagt der Grünower. 

Zur Diskussion stehen drei Korridor-Varianten

Dagegen wehrt sich der Netzbetreiber. „Das Verfahren dauert zwar länger. Aber es wird nicht im stillen Kämmerlein gearbeitet“, sagt 50Hertz-Sprecher Dirk Manthey. Zudem habe sein Unternehmen jederzeit ein offenes Ohr für Fragen von Bürgern. Das habe 50Hertz  zuletzt mit einem runden Tisch im April in Prenzlau gezeigt.

Wie soll der genaue Trassenverlauf aussehen? Wie viele Masten sollen auf welchen Feldern stehen und wie sieht es mit Entschädigungen aus? Alles Fragen, die noch nicht beantwortet werden können, sagt 50Hertz-Sprecher Manthey. Denn das sind alles Probleme, über die im sogenannten Planfeststellungsverfahren nachgedacht wird. Das ist das Verfahren, in dem es um die Genehmigung der geplanten Trasse geht. So weit sind die Planungen der Freileitung zwischen Bertikow und Pasewalk noch nicht vorangeschritten.

Derzeit ist 50Hertz auf der Suche nach einem geeigneten Korridor für die Trasse. Dieser soll ein Kilometer breit sein. Zur Diskussion stehen drei Korridor-Varianten. Die westliche führt weitgehend über die bestehende 110-kV-Leitung des Unternehmens Eon.edis, die mittlere führt entlang der Autobahn 20 und die östliche Variante über die bestehende 220-kV-Leitung.

Netzbetreiber muss Umweltprüfung durchführen

Diese drei Korridor-Varianten sind wiederum unterteilt in 24 Trassensegmente, die 50Hertz untersuchen muss. Dabei muss das Unternehmen Rücksicht auf die Ortschaft Dreesch nehmen, Flächen meiden, auf denen Windkrafträder geplant sind und abwägen, ob man den Pasewalker Kirchenforst quert oder umgeht. Zudem lässt 50Hertz eine sogenannte Strategische Umweltprüfung durchführen. Dazu gehören Schätzungen darüber, wie viele Brut- und Zugvögel von der Leitung beeinträchtigt sein könnten. Der Netzbetreiber hat bis Ende Mai Zeit, die Untersuchungen abzuschließen. So sieht es die Bundesnetzagentur vor.

Diese ist die zuständige Genehmigungsbehörde, wenn beim Netzausbau mehrere Bundesländer betroffen sind. Die Bundesnetzagentur entscheidet sich für einen verbindlichen Trassenkorridor und eröffnet das Planfeststellungsverfahren. Dann haben Bürger die Gelegenheit, Stellung zum Freileitungs-Projekt zu beziehen. „Wir gehen nicht davon aus, dass wir den Termin Ende Mai einhalten können“, sagt 50Hertz-Sprecher Dirk Manthey. Allerdings soll voraussichtlich Ende Juni eine weitere öffentliche Runde stattfinden, an der auch Bürger teilnehmen können.

 

Fragen zur Freileitung Bertikow-Pasewalk können Bürger direkt an 50 Hertz stellen. Von 8 Uhr bis 20 Uhr ist der Anruf aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz kostenlos. Die Telefonnummer lautet: 0800 58952472.