Millionen-Investition:

Neue Zerlegehalle für Atom-Reaktoren in Lubmin geplant

Die Energiewerke Nord wollen ihre Kapazitäten zur Zerlegung radioaktiver Großkomponenten erweitern. Die Atomlager-Betreiber planen den Bau einer entsprechenden Halle. Sie soll dazu dienen, Reaktoren und Dampferzeuger in „konradgängige“ Einheiten zu zerlegen.

Die Ernergiewerke Nord betreiben in Lubmin ein Zwischenlager für Atommüll.
Jens Büttner Die Ernergiewerke Nord betreiben in Lubmin ein Zwischenlager für Atommüll.

Die Atomlager-Betreiber Energiewerke Nord (EWN) planen den Bau einer Zerlegehalle für Reaktordruckgefäße und Dampferzeuger. Die radioaktiven Großkomponenten sollen in der Halle zerlegt und für die Endlagerung im Schacht Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle vorbereitet werden, sagte der Geschäftsführer der Energiewerke Nord, Henry Cordes, am Mittwoch in Lubmin. Derzeit werde eine Ausschreibung für einen Generalplaner vorbereitet. Dieser soll die Genehmigungsunterlagen erarbeiten.

Die bundeseigenen EWN hoffen auf einen Baubeginn im Jahr 2018. Im Zwischenlager Nord lagern derzeit sechs Reaktordruckgefäße aus Lubmin und Rheinsberg sowie 22 Dampferzeuger.  

Endlager Schacht Konrad soll 2022 eröffnen

Cordes drängte bei einem Besuch des brandenburgischen Verbraucherschutzministers Helmuth Markov (Linke) auf die Einhaltung des Termins zur Öffnung des Schachtes Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Salzgitter im Jahr 2022. „Die planmäßige Öffnung des Schachtes Konrad ist zwingend notwendig, um die Abbauprozesse in Lubmin wie auch in Rheinsberg effizient gestalten zu können“, sagte Cordes.

Unterstützung kam von Markov: „Wir haben für Rheinsberg ein drastisches Interesse, dass Schacht Konrad pünktlich öffnet.“ Das Land Brandenburg will damit Verzögerungen beim Rückbau des Kernkraftwerks Rheinsberg verhindern. Demnach soll dort der Rückbau der Kraftwerksgebäude im Jahr 2020 beginnen.

Halle soll bis 2021 fertig sein

Die 45 Meter lange Zerlegehalle  mit einem Investitionsvolumen von 41 Millionen Euro soll 2021 und damit zeitnah zur Inbetriebnahme des Schachtes Konrads ihre Arbeit aufnehmen. Zunächst sollen schwach, später mittelgradig radioaktive Teile der Reaktordruckgefäße in „konradgängige“ Einheiten zerlegt werden. Ab 2040 planen die EWN laut Cordes dort „höchstaktivierte strahlende Teile“ in kleinere Einheiten zu zerlegen.

Kritik an den Plänen zum Bau einer Zerlegehalle kam von den Grünen. Sie wollen Aufklärung über die genauen EWN-Pläne. Es sei fraglich, ob man tatsächlich für eine überschaubare Menge an Großkomponenten eine derartige Investition tätigen müsse, sagte Fraktionschef Jürgen Suhr. Die EWN erhielten mit der Halle einen Know-How-Gewinn, der für Dritte interessant sein könne. Damit bestehe die Gefahr, dass die EWN ihre Drittgeschäfte ausweiten.

Castor-Behälter mit hochradioaktivem Müll lagern in Lubmin

Genehmigungsbehörde für die Halle ist nach Angaben der EWN das Innenministerium, das den Bau nach Paragraf 7 Strahlenschutzverordnung genehmigen müsste.

Das Zwischenlager ist nach Angaben der EWN zu 75 Prozent gefüllt. Neben den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen stehen dort 74 Castoren mit hoch radioaktiven Abfällen. 65 von ihnen beinhalten Brennelemente aus den stillgelegten DDR-Atommeilern Lubmin und Rheinsberg. Von den 26 000 Tonnen schwach- und mittelradioaktiven Abfalls im ZLN stammen rund 5500 aus dem Kraftwerk Rheinsberg.

Cordes warnte davor, das seit 2002 genehmigte Endlager für schwach- und mittelradioaktive nun nochmals in Frage zu stellen. Entsprechende Forderungen waren im Raum Salzgitter geäußert worden. Schacht Konrad ist bislang für 303 000 Kubikmeter Abfall aus bundeseigenen Anlagen wie Lubmin und Rheinsberg sowie aus Atomkraftwerken privater Energieunternehmen genehmigt. Die EWN wollen 32 Prozent der im Schacht geplanten Lagerkapazität in Anspruch nehmen.

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