Kein Aprilscherz:

Neuer Oberbürgermeister Silvio Witt legt am 1. April los

Die Neubrandenburger haben Silvio Witt zum "OB" gewählt. Der 36-Jährige will zum erstmöglichen Termin im April anfangen. Aber schon am 26. März sollten sehr wichtige Beschlüsse fallen.

Der frisch gewählte Oberbürgermeister übt sich schon einmal im Probestehen vor dem Rathaus.
Bernd Wüstneck/dpa Der frisch gewählte Oberbürgermeister übt sich schon einmal im Probestehen vor dem Rathaus.

Der neue Oberbürgermeister von Neubrandenburg, der parteilose Silvio Witt, will zum frühestmöglichen Termin anfangen. "Ich werde am 1. April morgens das Amt antreten", sagte der 36-Jährige am Montag. "Das Datum nehme ich mit Humor", erklärte der studierte Betriebswirt und Kabarettist.

Witt hatte am Sonntag mit knapp 70 Prozent der Stimmen die Stichwahl deutlich gegen den linken Landtagsabgeordneten Torsten Koplin gewonnen und schon am 1. März die vier anderen Kandidaten deklassiert. "Ich bin keiner, der die Lösungen in der Schublade hat, sondern will sie gemeinsam mit den Neubrandenburgern erarbeiten", erläuterte der 36-Jährige, der bisher eine Agentur für Kommunikation betrieb.

Die Wahl Witts kommt für Experten nicht so überraschend. "Auf lokaler Ebene spielen Parteien nicht so eine große Rolle", sagte der Rostocker Politologe Martin Koschkar. Bundesweit seien rund 40 Prozent aller hauptamtlichen Bürgermeister in Städten parteilos, in Mecklenburg-Vorpommerm etwa ein Drittel. So hat mit Rostock, wo Roland Methling regiert, die größte Stadt schon einen parteilosen OB. "Witt hat mit Überparteilichkeit und der Botschaft 'Jung und frisch für Neubrandenburg' gepunktet", sagte Koschkar. Parteilose hätten es mitunter einfacher als ein Parteimitglied, Mehrheiten zu bestimmten Themen zu organisieren.

Die Linke, die größte Fraktion in der Stadtvertretung, will "Witt keine Steine in den Weg legen", wie Fraktionsgeschäftsführer Dieter Kowalick sagte. Wenn aber bei der Stadtvertretersitzung am 26. März der Haushalt 2015 und die Gewerbesteuersatzung wie geplant behandelt würden, müsste der neue OB das Ergebnis dann akzeptieren. Das Stadt-Präsidium entscheidet am 17. März über die Tagesordnung. Witt hatte im Wahlkampf eine Senkung der Gewerbesteuer für "wichtig" erachtet. "Für Neubrandenburg ist aber auch wichtig, so sparsam zu sein, dass wir in den Konsolidierungsfonds des Landes kommen", sagte Kowalick.

Witt will auch auf seine Wahlkonkurrenten noch mal zugehen. "Ich lade alle Mitkandidaten ein, sich und ihre Vorschläge aus dem Wahlkampf weiter einzubringen", erklärte der Noch-Unternehmer.

Der bisherige Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) hört nach 14 Jahren Amtszeit am 31. März aus Altersgründen auf. Der 65 Jahre alte Krüger ist bereits im letzten Urlaub, unterbrach ihn aber, um Witt zu seiner Wahl zu gratulieren.

Auch zwei weitere Wahlkonkurrenten sind in der Stadtvertretung: Der parteilose Michael Nötzel und die CDU-Konkurrentin, Diana Kuhk, die bisher Chefin der zweitgrößten Fraktion ist und Dritte im ersten Wahlgang war. Im Nordosten werden im Frühjahr auch noch in Stralsund und Greifswald Oberbürgermeister gewählt.

 

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