Landwirtschaft in MV:

Neues Bündnis sorgt für Furore

Der Ton zwischen Gegnern und Befürwortern von Mega-Agrarbetrieben wird rauer. Weil eine Initiative jetzt mit einem Aktionsprogramm nachhaltige Landwirtschaft fordert, packt der Bauernverband den verbalen Dreschflegel aus.

Ein Zusammenschluss mehrerer Akteure hat jetzt einen Aktionsplan zur Reform der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt.
Jens Büttner Ein Zusammenschluss mehrerer Akteure hat jetzt einen Aktionsplan zur Reform der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt.

Keine Fördermittel mehr für Agrarbetriebe mit einer Größe über 500 Hektar! Verbindliche Obergrenzen in der Tierhaltung! Das sind die Forderungen eines neuen Bündnisses aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz, die am Dienstag in Schwerin vorgestellt wurden. Demnach sollen nur noch 500 Mastschweine, 560 Sauen, 600 Rinder und
30 000 Stück Masthühner in jeweils einem Betrieb gehalten werden dürfen.

Zugleich legte das Bündnis ein „Aktionsprogramm nachhaltige Landwirtschaft in MV“ vor. In der Initiative sind unter anderem die Michael-Succow-Stiftung, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Unternehmerverband „Mit Lust an Natur“ (Milan) und die Umweltorganisation BUND vertreten.

Bei den oppositionellen Linken und Grünen im Landtag stieß das Programm auf Zustimmung. Linken-Abgeordneter Fritz Tack meinte aber auch: „Allerdings vermisse ich von den Initiatoren einen wirklichen Dialog mit der Mehrzahl der Landwirte, die im Bauernverband organisiert sind. Es hilft nicht weiter, Genossenschaften und größere Agrarbetriebe pauschal als Agrarindustrie abzustempeln.“

"Landwirte wollen sich Kritik nicht mehr gefallen lassen"

Doch nach einem Dialog sieht es nicht aus: „Vorsorglich“ hatte der Bauernverband MV schon einen Tag vor der Präsentation des Aktionsprogrammes per Pressemitteilung reagiert und anlässlich von Demos am Rande der Grünen Woche geradezu den Dreschflegel ausgepackt. So sprach Präsident Rainer Tietböhl von „Verunglimpfungen“. Das Maß sei voll. „Die Landwirte wollen sich die ständige Kritik an ihrer Arbeit nicht mehr gefallen lassen.“ Außerdem beklagte er sich darüber, dass man zur gestrigen Vorstellung des Aktionsprogrammes nicht eingeladen wurde.

Das Papier ist die Antwort auf den Masterplan des Agrarministeriums für die Land- und Ernährungswirtschaft. Die Akteure des Bündnisses hatten sich im August 2013 aus der Arbeit an diesem Masterplan zurückgezogen und einen eigenen Entwurf angekündigt. Er basiert auf einer Analyse der nach Ansicht der 13 Autoren vorherrschenden industriellen Pflanzen- und Tierproduktion.

Nur eine konsequente Kursänderung könne den von der Agrarindustrie verursachten negativen Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt entgegenwirken, hieß es. „Wir bezahlen drei Mal. Ein Mal für die subventionierte Unvernunft, weil die Betriebe immer größer werden mit immer größeren Maschinen. Dann zahlen wir für die ökologischen Schäden durch immer mehr Pflanzenschutzmittel. Und dann zahlen wir für Hartz-IV auf dem Land, weil in den großen Betrieben nur wenige Menschen beschäftigt sind“, sagte Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises.

Ein Ziel: Marketing für Bioprodukte verstärken

Immer mehr Menschen würde dieses Thema nun beschäftigen. Daran knüpfte Jörg Köger von Milan an, der sich auch gegen die Mega-Ferkel-Anlage der Straathof-Gruppe in Alt Tellin stark macht: „Während es in MV 4750 Agrarbetriebe gibt, sind es in Schleswig-Holstein mit nur drei Vierteln der Fläche 13 300. 10 000 Familien könnten davon profitieren, wenn die Verhältnisse angepasst würden.“ Inzwischen gehörten aber beispielsweise in Vorpommern 35 Prozent aller Flächen externen Investoren – also Konzernen, die mit der Landwirtschaft bislang nichts am Hut hatten.

Im Aktionsprogramm fordern die Autoren zudem, den Ökolandbau zu fördern. „20 Prozent der Flächen sollen so bis 2020 bewirtschaftet werden“, formulierte Burkhard Roloff vom BUND das Ziel. Auch solle das Marketing für landestypische Bioprodukte verstärkt werden. Schließlich sei noch ein Kompetenzzentrum Ökolandbau nötig.

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Kommentare (1)

Da wurde also ein Aktionsprogramm mit einer „Bestandsaufnahme der zurzeit vorherrschenden industriellen Pflanzen- und Tierproduktion" vorgelegt und der amtierende Bauernpräsident beklagt sich darüber, "dass man zur Vorstellung des Aktionsprogrammes nicht eingeladen wurde". Bisher wollten er und seine Bauern aber nur ungern mit Agrarindustrie in Verbindung gebracht werden. Hat also wirklich ein Umdenkprozess begonnen. Ja, wenn das Maß voll ist, muss man sich halt was einfallen lassen. Das wissen auch die Güllebauern, wenn`s im Winter pressiert und die Tanks nicht mitwachsen wollen. Lassen wir uns also überraschen, wie der Bauernverband diese neuen Situation bewältigt. Kurz vor der bunten Vielfalt der 50.000 gegen Agrarindustrie und Monokultur versammleten sich ja ein paar hundert uniforme neongrüne Verbandsmitglieder vor dem Berliner Hauptbahnhof mit dem Anspruch einer Tausendschaft. Bleibt zu hoffen, dass sie diesen Konfrontationskurs aufgeben und endlich den Dialog suchen, zum Wohle des Landes und seiner Einwohner.