Ein Land unter Strom:

Neues Energiekonzept für MV

Wohin will Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Energiepolitik? Wie sollen Strom und Wärme für die Menschen bezahlbar bleiben? Fragen wie diese soll das Landesenergiekonzept beantworten, das Energieminister Christian Pegel (SPD) am Dienstag vorgelegt hat. Die fünf wichtigsten Punkte haben Uwe Reißenweber und Robert Kieselzusammengestellt.

Die Akzeptanz für Windräder schwindet in einigen Regionen im Land, wie in Altentreptow. Für viele Bürger sind es inzwischen zu viele. Sie wollen, dass mehr zu Energiespeichern geforscht wird. Immer mehr Anlagen seien keine Lösung.
Stefan Sauer Die Akzeptanz für Windräder schwindet in einigen Regionen im Land, wie in Altentreptow. Für viele Bürger sind es inzwischen zu viele. Sie wollen, dass mehr zu Energiespeichern geforscht wird. Immer mehr Anlagen seien keine Lösung.

Stromproduzent MV: Was soll erreicht werden?

Bis zum Jahr 2025 sollen 6,5 Prozent des in der Bundesrepublik benötigten Stroms in MV hergestellt werden. Das entspricht dem Anteil des Landes an der bundesdeutschen Fläche. Im Jahr 2013 wurden 1,7 Prozent des bundesweit benötigten Stroms hierzulande produziert. Zum Erreichen des Ziels gibt die Landesregierung den Erneuerbaren Energien den Vorrang – mit dem Schwerpunkt Windenergie. Welchen Anteil letztere aber genau haben soll, lässt das Konzept aber offen.

Akzeptanz schaffen: Wie sollen Bürger und Kommunen beteiligt werden?

Nachbarn, die in einem Abstand von fünf Kilometern rund um eine zu errichtende Anlage leben sowie den Standortkommunen sollen vom Investor ein Angebot zur Beteiligung von mindestens 20 Prozent gemacht werden. Das soll ein neues Bürger- und Kommunalbeteiligungsgesetz auf den Weg bringen, das noch in diesem Jahr dem Landtag vorgelegt wird.

Forschung: Wo sollen die Schwerpunkte in MV liegen?

Bildungsministerium und Energieministerium planen ein Energieforschungsprogramm. Dafür sollen bis 2020 insgesamt sechs Millionen Euro bereitgestellt werden. Insbesondere sollen die Bereiche Windenergie, Netze und Speicher in den Fokus der Wissenschaftler rücken.

Stromleitungen und Netze: Was wird gebaut? Bezahlt der Nordosten weiter die höchsten Netzentgelte?

Mecklenburg-Vorpommern hat aus DDR-Zeiten vergleichsweise gut ausgebaute Trassen. Große Neubauten sind nicht nötig, allenfalls Ertüchtigungen. Die Landesregierung setzt sich aber für den umstrittenen Bau der Trasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern ein – an die dann auch MV angekoppelt werden könnte. Die Regierung in Schwerin will ebenso im Bundesrat dafür kämpfen, dass die Netzentgelte, die der Bürger zahlen muss, bundesweit angeglichen werden.

Transparenz: Wie sollen Mecklenburger und Vorpommern weiter informiert werden?

Ab Ende März plant das Energieministerium gemeinsam mit vielen Experten aus Forschung und der Branche eine Vortragsreihe. Diese soll in der Hochschule Wismar stattfinden und per Livestream ins ganze Land übertragen werden. Vorher können über das Internet auch Fragen gestellt werden. Die ersten Termine:

• 24. März: Energiewende – muss das so schnell gehen?

• 15. April: Betrifft die Energiewende nur den Norden?

• 5. Mai: Geräuschbelästigungen durch Windanlagen

• 26. Mai: Akzeptanz und Wirkung von Windenergieanlagen

Außerdem soll der traditionelle Tag der Erneuerbaren Energien am 25. April erstmals zu einem Tag der offenen Tür werden. So lädt der Netzbetreiber 50Hertz zu einer Schiffstour von Stralsund zum Ostsee-Windpark Baltic 1 ein. 300 Plätze gibt es, Anmeldungen sind nötig. Außerdem sollen Leitstellen, Bioenergie- und Windkraft-Anlagen im gesamten Land zu besichtigen sein.

Erste Reaktionen: Das sagen Bürgerinitiativen

Gewohnt kritisch schauten die Bürgerinitiativen (BI) des Landes auf das Konzept aus dem Pegel-Ministerium. „Es geht immer nur um Ausbau und Netzstabilität, die Frage der Speicherung kommt deutlich zu kurz“, erklärte Jörg Löwe, Sprecher BI Gegenwind Behrenhoff. Ohne diese Frage zu beantworten, sei die suggerierte Umstellung der Stromproduktion auf erneuerbare Energieträger jedoch nicht möglich.

Der Kritik von Löwe an den Konzeptideen zur Bürgerbeteiligung schloss sich auch Norbert Schumacher an. „Die Einbeziehung der Öffentlichkeit gleicht weiterhin einer Farce“, erklärte der Sprecher der BI Freier Horizont. „Was die Bürger und das Land betrifft, begnügt sich das Konzept mit Versprechungen und Absichtserklärungen“, so Schumacher. „Akzeptanz lässt sich so nicht gewinnen.“ 

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Kommentare (1)

Das Energieministerium plant einseitig Forschung auf dem Gebiet Windkraft, Netze und Speicher. Die milliardenschwere Windkraftlobby bekommt die Forschung auch noch vom Steuerzahler finanziert? Die Akzeptanz in der Bevölkerung sinkt, aber unsere Landesregierung forscht weiter, einseitig pro Windkraft. Warum erforscht man nicht stattdessen in ECHTE Alternativen? Wie sieht es aus mit der Geothermie, die sowohl weniger Landschaft und Natur zerstört und auch in M-V prinzipiell möglich ist.Nur ein einziges Kraftwerk ist in Planung, in Lohme. Außerdem wäre es die Pflicht unserer Landesregierung erst einmal Forschung zu bezahlen, die die Folgen der Windräder auf die Gesundheit der Menschen durch Infraschall untersucht, BEVOR man unsere Landschaft, Natur und Gesundheit für mindestens 20 Jahre zerstört. Dieses Thema wird vom Energieministerium immer nur belächelt, dabei gibt es genügend negative Auswirkungen, die schon jetzt mit den kleinen Windrädern bekannt sind. Welche Schäden werden die über doppelt so großen Anlagen erst haben? Andersherum wäre der richtige Weg. Aber wir lassen es uns ja gefallen? Nicht alle!